Traum am Bache

C. Moritz

Auf blühender Haiden, am einsamen Bach,

Da sann ich dem Spiele der Wellen oft nach;

Es murmelt die Quelle, es rauschet der Wind,

Wie Wind und wie Wasser das Leben verrinnt.

Doch nimmer erschöpft sich, und ewig quillt

Die Fülle der Wogen, der Menschlichkeit Bild,

Und ewig aus heiliger Urne fleußt

Die Kraft der Naturen, der würkende Geist.

Er bildet das Leben mit reger Gewalt,

Und wandelt die Formen zu hoher Gestalt;

Er gattet die Blüthen zu himmlischem Bund,

Und spricht aus der Töne melodischem Mund.

Wohl sann ich am flutenden rauschenden Bach

Oft träumend dem Spiele der Wellen nach;

Ein Spiel ist das Leben, ein Tropfen die Zeit,

Die Stunde das Bild der Vergangenheit!

Und pflückte manch Blümchen, und warf es hinein,

Und mischte die Thräne der Sehnsucht darein;

Das Blümchen floß leise die Fluten hinab,

Die Thräne versank in dem wogigen Grab!

So schwinden die Freuden des Lebens dahin,

Doch dauert im Wechsel der menschliche Sinn;

Und weit hinaus über die Fluten der Zeit

Ragt menschliche Kraft und Beständigkeit.