Die Seufzer
C. Neefe
Woher, du süßer Balsamhauch,
Der von dem nahen Rosenstrauch
Sanftschäuchelnd meine Wang' umstießt
Und Thränen mir vom Auge küßt?
Kömmst du nicht auf des Westes Flügeln
Von jenen -- ach, zu fernen Hügeln,
Wo jüngstens mit ihr, Hand in Hand,
Ich mehr, denn Götterlust empfand.
Dein Balsamduft verkündigt's mir,
Ein Seufzer bist du, ach, von ihr,
Der theuren Angebeteten,
Ein Seufzer von Rosalien.
Sie kannte meiner liebe Schmerzen,
Sie las die Qual in meinem Herzen,
Als mich des Schicksal von ihr riß
Und ich mit Thränen sie verließ.
Da sandt' ihr weiches Herz ein Ach!
Noch mitleidsvoll dem Jüngling nach,
Der voller warmer Sympathie
Und Zärtlichkeit empfand, wie sie.
Dieß Ach! kam mir durch ferne Lüfte,
Und, eingehüllt in süsse Düfte,
Ergoß es seinen Balsamhauch
Herüber von dem Rosenstrauch.
Nimm, Lüftchen, noch den Seufzer hier,
Dann eile wieder hin zu ihr
Und lisp'le dem geliebten Ohr
Noch zärtlich diese Klagen vor:
Ach! nur zu schnell sind sie verschwunden
Die augenblickelangen Stunden,
Da ich mein ganzes ganzes Glück,
O Wonne, las in ihrem Blick.
Entzückt sah ich sie; aber kaum
Begann der süße Wonnetraum,
Ein Blick -- so war die Huldgöttin
Von meinem Auge schnell dahin.
Nun glänzet mir aus ihren Blicken
Nicht mehr ein Himmel voll Entzücken:
Nein, rund um mich der Schwermuth Nacht
Seh' ich, vom süßen Traum erwacht.