Die Trennung
C. Neefe
Da schlägt des Abschieds Stunde,
Um grausam uns zu trennen;
Wie werd' ich leben können,
O Mädchen, ohne dich?
Ein Fremdling aller Freuden
Leb' ich noch, um zu leiden,
Und du -- vielleicht auf ewig
Vergißt nun Daphne mich!
Ein schwärmender Gedanke
Malt dann mit schwachen Zügen
Mein schwindendes Vergnügen,
Und nie verläßt er dich!
Mein Geist wird, dir zur Seiten,
Dich, wo du gehst, begleiten;
Und du -- vielleicht auf ewig
Vergißt nun Daphne mich!
Oft schwebt, am fernen Ufer,
Dein Nam' auf meiner Lippe;
Wo, frag' ich Fels und Klippe,
Verweilt jetzt Daphne sich?
Dir schlägt mein Herz, ich schicke
Zu dir der Sehnsuchts Blicke;
Und du -- vielleicht auf ewig
Vergißt nun Daphne mich!
Der Zeit denk' ich mit Thränen,
Der mich so sehr erfreute,
Als noch an Daphnens Seite
Mein Leben sanft entwich;
Nur, um mich mehr zu kränken,
Werd' ich der Zeit gedenken,
Und du -- vielleicht auf ewig
Vergißt nun Daphne mich!
Dort, denk' ich, floß die Quelle
Wo sie vom Zorn entbrannte;
Doch, schnell besänftigt, wandte
Sich hold ihr Blick auf mich.
Bald schlug mich Schwermuth nieder,
Bald lebt' und hofft' ich wieder;
Und du -- vielleicht auf ewig
Vergißt nun Daphne mich!
Von deinem Reitz gefesselt
Umgibt vielleicht aufs neue
Mit Schwüren ew'ger Treue
Ein Heer Verliebter dich;
O Gott! wenn unter Zähren
Sie nun ihr Herz verklären,
O Gott! vielleicht auf ewig
Vergißt dann Daphne mich!
Ach! denk' an diese Trennung,
Wie sehr sie mich betrübte,
Daß ich dich da noch liebte,
Als Glück und Hoffnung wich!
Wie ich mit Thränengüssen
Von dir mich losgerissen,
Denk' -- ach! vielleicht auf ewig
Vergißt nun Daphne mich!