Die Vorwürfe
C. Neefe
Still will ich meine Leiden tragen
Mit Klugheit, und Geduld.
Ist nicht an allen meinen Plagen
Nur meine Tohrheit schuld?
Wie thörigt sah ich Züchtigungen
Für schwere Strafen an!
Wie oft hab' ich nach dem gerungen,
Was Gott nicht gehen kan!
Wie oft hab' ich verborgne Leiden
Dem falschen Freund' geklagt!
Wie oft hab ich geheime Freuden
Dem Neide selbst gesagt!
Mich, der oft Andre Argwohn lehrte,
Wie oft betrog man mich!
Und doch war der, der mich bethörte,
Oft minderschlau als ich!
Ich, der so laut die Furcht verlachte,
Schlich oft so muthlos fort,
Wenn mich ein Grosser furchtsam machte!
Was schlug mich so? -- Ein Wort!
Dagegen täuschten mich oft Blike,
Die mir ein Grosser gab:
Dann stieg ich hoch -- und fiel vom Glüke
Tief in den Staub hinab! --
O trüg' ich jezt mit klugem Schweigen,
Was ich mit Unmuth trug!
O, möcht' ich niemals Wunden zeigen,
Die meine Tohrheit schlug!