Ein Engel an die schlafende Minna
C. Neefe
Ruhe sanft, du Kind der Tugend,
Wie die Engel Gottes rein!
Abglanz von des Himmels Jugend,
Freuden Gottes warten dein!
Du, des großen Schöpfers Ehre,
Viel zu schön für diese Zeit,
Bald winkt eine höhre Sphäre
Dich hinauf zur Ewigkeit.
Ruhe sanft, aus deren Bilde
Himmelswonn' und Unschuld strahlt,
Du, auf deren Wang' sich Milde
Und der Menschheit Lächeln mahlt!
Du, mit deinen heitern Blicken,
Sanfte Herzenszähmerin,
Du, der Engel süß Entzücken,
Bald des Himmels Bürgerin.
Ruhe sanft; wir deine Brüder
SYSTEMBilden süße Träume dir,
Und mit schützendem Gefieder
Steh ich, dein Erwählter, hier!
Fühl' im Traum die hohe Wonne,
Die der Himmel dir verspricht;
Bald verschwindet diese Sonne
Und dir strahlt ein schönres Licht!
Welch ein süßes Lächeln gießet
Über dein Gesicht sich hin!
Gottes hoher Frieden fließet
Von dem Himmel auf dich hin!
Sanfter blühen deine Wangen,
Reiner athmet deine Brust,
Froh durchglühet von Verlangen
Nach des Himmels selger Lust.
Immer schöner strahlt der Himmel
In den Zügen des Gesichts;
Schon entflieht das Weltgetümmel,
Und zerfließt in Staub und Nichts.
Jauchzet Engel, meine Brüder!
„Sieh, die Himmel öfnen sich,
(Wandelt Gottes Stimme nieder)
„Minna, und erwarten dich.“
Und schon schwebt auf sanften Schwingen
Über sie herauf der Tod;
Himmel feyern -- Engel singen,
Und die Seele fliegt zu Gott.
Heilige, ich will dich leiten!
Meine Schwester, Heil sey dir!
Längst schon werth der Ewigkeiten,
Nun des Himmels hohe Zier.