Nachtempfindungen über Minnas Grab

C. Neefe

Ha! wie wühlst du in mein Eingeweide

Bleicher -- kummerschwangrer Schmerz!

Furchtbar schwingst du deinen blutgen Fittich,

Und zerfleischst mein Herz!

Hier auf Minna's Grab, dringen deine Schrecken,

Mit allmächtgen Arm in mich!

Tief gebeugt im Staub' wein' bedeckt mit Asche

Blutge Thränen ich!

Wie ein Sterbender jammr' ich Todestöne

In der Nächte Wiederhall!

Welchen Schauer hör ich nicht, o Todten-

Glocke deinen Schall? --

Schlug sie dir mein Geist, war vielleicht die Stunde,

Die jetzt schlug, die letzte dir?

O Entzücken! schlüge sie letzte

Lebensstunde mir!

Eingekerkert hier in diesem Lande

Wo die Unschule weinend klagt,

Sehn' ich nach der Stunde, wo der Morgen

Jenes Lebens tagt.

Ach, zur Last wird mir dies kurze Leben,

Jammervoll, mir jeder Tag!

O Geliebte, meine Seele schmachtet,

Ziehe mich dir nach.

Müde dieser bunt gemahlten Scenen,

Dieses eitlen Kummers satt,

Dürst ich nach der Ruhe, wie ein Kranker

Auf der Lagerstatt.

Warum wind' ich noch mit zerriebnen Nacken

Mich in dieser Erde Joch? --

Warum drückt der Geist, der höher strebet,

Diese Hütte noch? --

Fallet auseinander meine Glieder,

Sinke morsche Hütte hin!

Dieses Leben ist mein Tod, ist bitter,

Sterben ist Gewinn!

Ach! vergebens hasch' ich hier nach Freuden,

Dunkel, traurig ist mein Blick,

Nur in deinem kühlen Schooß, o Erde,

Reift mein wahres Glück.

Geist, geschaffen für des Himmels Wonne,

Schwinge dich vom Staub' empor!

Mische dich mit Seligkeit getränket

In der Engel Chor.

Sieg! Triumph! sie schlägt, die selge Stunde!

Und ein Engel rufet mich!

Jauchzend Minna eil' ich dir entgegen

Und umarme dich!