Ganymed

C. Reinthaler

Auf schweigendem Bergesgipfel

Der Knabe des Thales ruht

Und blickt in die ziehenden Wolken,

In die sterbende Sonnenglut:

"O schwebt' ich, wie Götter im Bronnen

Des Aethers, im Sternenraum!" -

Er entschlummert - olympische Wonnen

Umfangen ihn hold im Traum.

Es steigt sein Busen voll Sehnen

Nach der Uranionen Glück,

Und es öffnet sich trüb' vor Thränen

Noch halb im Traume sein Blick:

"Was hör' ich so lockend klingen?

Was rauscht mir so wunderbar

Um's Haupt mit goldenen Schwingen?

Was willst du, kreisender Aar?"

Und er fühlt sich auf Fitt'gen gehoben.

"Ach, träum' ich noch immer? o Glück!"

Es trägt ihn, es reißt ihn nach oben,

Tief weichen die Berge zurück!

"O süsses Sehnen und Hoffen!

Fahr' wohl du nächtliches Thal:

In ewigem Blau steht offen

Der strahlende Göttersaal!"