O verzweifle nicht am Glücke

C. Sinding

O verzweifle nicht am Glücke,

Ob getäuscht auch viel und oft!

Niederschwebts auf goldner Brücke

Plötzlich dir und unverhofft!

Ungerührt von Klagen, Weinen,

Wie's auch lange zögern mag,

Einmal wird es doch erscheinen,

Einmal kommt sein Wonnetag!

Wandle nur auf seinen Spuren:

Deinem gläubigen Vertrau'n

Kann's erblühen auf den Fluren,

Von den Sternen kann es thau'n,

Aus den Lüften kann es regnen

Wie ein fallend Rosenblatt.

Plötzlich kann es dir begegnen

Mitten im Gewühl der Stadt.

Wo sich in der Wüste Schweigen

Ganz dein Muth verloren glaubt,

Kann sich's plötzlich zu dir neigen

Wie ein liebeflüsternd Haupt.

Wo sich bricht an Kerkermauern

Der Verzweiflung banges Fleh'n,

Kann es dir mit Wonneschauern

Plötzlich in die Seele weh'n.

Sahst du deine Jugend schwinden

Und es blieb dir unerfleht,

Kann dem Mann es Kränze winden:

Nimmer kommt es ja zu spät.

Noch den Greis kann es entzücken,

Und noch in der Todesstund'

Kann es seinen Kuß dir drücken

Segnend auf den bleichen Mund.