Rose im Thal
C. von Bülow
Einsame Rose, blühst so verlassen,
willst hier im Tale stille verblassen?
Hat denn kein Knabe deiner begehrt?
Hielt denn kein Wand'rer Pflückens dich wert?
Einsame Rose, bleibe alleine,
bleibe die Stolze, Züchtige, Reine.
Lacht dir kein Auge, blinkt dir kein Stern,
blühst du nicht Menschen, blühe dem Herrn!
Selig, dem Herren stille zu halten,
ihm nur zu Diensten fromm sich entfalten,
ihm nur zuliebe duften und glüh'n,
ihm nur zur Ehre leise verblüh'n.
Einsame Rose, blühende Nonne,
bleibe der Wildnis heimliche Wonne!
Bleibe des Heilands „Rose im Tal“,
bis dich sein Engerl pflücket einmal.