Wir Frauen

C. von Franckenstein

Wir Frauen werden plötzlich arm,

Von heute oft auf morgen,

Und dürfen dann ein Leben lang

Von dem, was Glück und Liebe war,

Nur borgen, ja nur -- borgen.

Uns ist, als ob es gestern war:

Der Kranz im Haar und der Altar

Mit Weihrauch und mit Kerzen.

Wir sehen noch den Bräutigam,

Und heimlich ist's um uns getan

Im Herzen, ja, im Herzen.

Doch du und ich und ich und du!

Was fiel denn fort, was kam dazu,

Daß ich nicht mehr genüge?

Dann ist ja auch, was einmal war,

So selig, reich und wunderbar,

Nur Lüge, ja, nur Lüge.