Hermann und Thusnelda
Camillo Horn
Thusnelda:
Ha, dort kömt er mit Schweiß, mit Römerblute,
Mit dem Staube der Schlacht bedeckt! so schön war
Hermann niemals! So hats ihm
Nie von dem Auge geflammt!
Kom! ich bebe vor Lust! reich mir den Adler
Und das triefende Schwert! Kom, athm', und [ruh hier
Aus] in meiner Umarmung,
Von der zu schrecklichen Schlacht!
Ruh hier, daß ich den Schweiß der Stirn abtrockne,
Und der Wange das Blut! Wie glüht die Wange!
Hermann! Hermann! so hat dich
Niemals Thusnelda geliebt!
Selbst nicht, da du zuerst im Eichenschatten
Mit dem bräunlichen Arm mich wilder faßtest!
Fliehend blieb ich, und sah dir
Schon die Unsterblichkeit an,
Die nun dein ist! Erzählts in allen Hainen,
Daß Augustus nun bang mit seinen Göttern
Nektar trinket! daß Hermann,
Hermann unsterblicher ist!
Hermann:
"Warum lockst du mein Haar? Liegt nicht der stumme
Todte Vater vor uns? O hätt' Augustus
Seine Heere geführt; er
Läge noch blutiger da!"
Thusnelda:
Laß dein sinkendes Haar mich, Hermann, heben,
Daß es über dem Kranz' in Locken drohe!
Siegmar ist bei den Göttern!
Folg du, und wein' ihm nicht nach!