Des Sachsen-Ritters Ausforderung
Carl Borromäus von Militz
"Ich habe mein Schwert recht scharf geschliffen,
Ich führ' einen blanken Schild,
Ich habe den Speer recht hart gegriffen,
Und ist mir mein Herze wild.
Ich schaue wohl durch mein Helmesgitter
Die Weser hinab, hinan.
Wo bist Du nun hin, Du Franken-Ritter,
Der Damen hofiren kann?
Du reitest vorbey an Liuba's Hallen,
Und grüßtest so zier hinauf;
Das ist mir recht heiß in's Herz gefallen,
Und, Knabe, das Spiel hört auf.
Denn willst Du in Flucht den Gau verlassen
Da wird Deine Schande kund;
Und kann Dich einmahl mein Speerwurf fassen,
Da liegest Du todt im Grund."
"Derweile Du säß'st an Herdesflammen
Zu Aachen im gold'nen Haus,
Da kosten Liuba und ich mitsammen.
Und lachten Dich fröhlich aus.
Und wo Du begraben läg'st im Haine,
Da hielt' ich mit Liuba Tanz,
Und wüchsen Blumen an Deinem Steine,
Da flöcht' ich ihr einen Kranz."