Albert nach Werthers Tode

Carl Christian Agthe

Abgewelkt, des bangen Lebens müde,

Sinkt mein mattes Haupt;

Ach, nun naht sich mir der Friede

Wieder, den mir Werther hier geraubt! --

Komm, ach, komm, o Grab, in deiner Kühle,

Wo die Ruhe wohnt,

Wo Befreiung vom Gefühle

Ihres Elends müde Pilger lohnt,

Will ich schlummern. -- Hier bei diesem Steine,

Wandrer, ruh' dein Stab! --

Weile Jüngling hier und weine,

Frommes Mitleids Thränen auf mein Grab.

Ach, wie selig, welche Gotteswonnen

Waren ehmals mein!

Aber, ach! -- sie flohn die Wonnen,

Wandelten sich um in grause Pein! --

Sie war mein, -- an diese Brust voll Liebe,

Schloß' ich, Sel'ger, Dich,

Lotte! -- Deine süsse Liebe,

Welchen Himmel goß sie nicht um mich!

Sahst Du Sie an meinem Busen liegen,

Beben unsre Brust,

Tränken mich in starken Zügen,

Gottesfreuden, volle Himmelslust, --

Bruder! -- goß Dir nicht Ihr Blick Erbarmen,

In Dein junges Herz,

Konnt'st du Sie aus meinen Armen,

Reissen, stehlen mir Ihr göttlich Herz? --

Ach, du thatst's! -- Schnell wie vom Blitz zerrissen,

War der Liebe Band. --

Nun erwachte Dein Gewissen,

Und Du hubst die Waffenschwere Hand

Wütend wider dich empor, und kürztest

Schnell Dein Leben ab;

Fielst, und liessest uns und stürztest

Uns mit Dir in grause Nacht hinab.

Seit Du starbst, wich noch von Lottens Wange,

Todesblässe nie.

Ewig jammernd trüb' und bange,

Wein' ich mit Ihr und bedaure Sie.

Irr' umher vom Schmerz umhergetrieben,

Such' und find' nicht Ruh!

Denn Du kannst mich nicht mehr lieben,

Lotte, meine süsse Lotte, Du! --

Ach! er naht, mit göttlichem Entzücken,

Segn' ich Retter Dich!

Ach, er naht, mit Freundesblicken,

Komm, o Tod, komm, führ' zur Ruhe mich!

Sie sind aus -- die Tage meiner Leiden,

Ach! ich sehe schon

Kronen schimmern, -- Gottesfreuden,

Strahlen herrlich frommer Dulder Lohn!

Ausgekämpft! -- nun sinken meine Hände,

Meine Stimme bricht! --

Ende, Gott, mein Vater! ende

Bald mit Lotten, und verlaß Sie nicht! --