An den Mai
Carl Christian Agthe
Holder Mai, die Lämmer springen,
Holder, du bist hier!
Bäche murmeln, Vögel singen,
Bienen summen dir!
Aber, o du Wonnebringer,
Dir klag' ich mein Leid:
Mich, den armen Freudensinger,
Mordet Traurigkeit!
Hier auf diesem stillen Hügel,
Der so friedlich grünt,
Hier am Bache, der zum Spiegel
Schäferinnen dient,
Hier, gewiegt in süßen Schlummer,
Hab' ich ausgeruht,
Aber dieser schwarze Kummer,
Der so weh mir thut,
Der mir meine Freude tödtet,
Keiner Sonne lacht,
Die der Berge Spitze röthet,
Ist mit mir erwacht!
Athamas, der Ungetreue,
Thut die Freud' in Bann,
Lästert, spricht, wenn ich mich freue:
"Seht nur, welch ein Mann!"
Holder Mai, wenn Gottes Sonne
Morgenröthe strahlt,
Wonne strömt, und diese Wonne
Meine Fluren mahlt;
Wenn ich, tiefer dich zu fühlen,
Früh zu Felde geh',
Und in ihrer Unschuld spielen
Meine Lämmre seh:
Wenn ich seh' die Liebe scherzen,
Und empfinde Haß:
Dann so lösch' aus meinem Herzen
Diesen Athamas!