Das Kinderspiel
Carl Christian Agthe
Wir Kinder, wir schmecken
Der Freuden recht viel,
Wir schäkern und necken,
Versteht sich im Spiel;
Wir lärmen und singen
Und rennen rundum,
Und hüpfen und springen
Im Grase herum.
Warum nicht? - Zum Murren
Ist's Zeit noch genug!
Wer wollte wohl knurren,
Der wär' ja nicht klug.
Wie lustig steh'n dorten
Die Saat und das Gras!
Beschreiben mit Worten
Kann keiner wohl das.
Ha, Brüderchen, rennet
Und wälzt euch im Gras!
Noch ist's uns vergönnet,
Noch kleidet uns das!
Ach, werden wir älter,
So schickt's sich nicht mehr,
Dann treten wir kälter
Und steifer einher.
Ei, seht doch, ihr Brüder,
Den Schmetterling da!
Wer wirft ihn uns nieder?
Doch schonet ihn ja!
Dort flattert noch einer,
Der ist wohl sein Freund,
O schlag' ihn ja keiner,
Weil jener sonst weint.
Wird dort nicht gesungen?
Wie herrlich das klingt!
Vortrefflich, ihr Jungen,
die Nachtigall singt.
Dort sitzt sie, dort oben
Im Apfelbaum, dort;
Wir wollen sie loben,
So fährt sie wohl fort.
Komm Liebchen hernieder
Und lass' dich beseh'n!
Wer lehrt dich die Lieder?
Du machst es recht schön!
O lass' dich nicht stören,
Du Vögelchen du!
Wir alle, wir hören
So gerne dir zu.
Wo ist sie geblieben?
Wir seh'n sie nicht mehr.
Da flattert sie drüben.
Komm wieder hier her!
Vergeblich, die Freude
Ist diesmal vorbei:
Ihr tat wer zu Leide,
Sei, was es auch sei.
Laßt Kränzchen uns winden,
Viel Blumen sind hier.
Wer Veilchen wird finden,
Empfängt was dafür.
Ein Mäulchen zur Gabe
Gibt Mutter, wohl zwei.
Juchheisa! Ich habe,
Ich hab' eins, juchhei!
Ach, geht sie schon unter,
Die Sonne, so früh?
Wir sind ja noch munter,
Ach, Sonne verzieh'!
Nun morgen, ihr Brüder,
Schlaft wohl, gute Nacht!
Ja, morgen wird wieder
Gespielt und gelacht.