Das Tarocko
Carl Christian Agthe
Kleine, die mit weisser Hand
Mich zum Spieltisch winket,
Wo dein Äuglein unverwandt
Mir entgegen blinket,
O wie selig, selig ist,
Wenn dein loser Wink erkiest!
Wem Cytherens Sohn verschmitzt
So die Kärte mischet,
Daß die traute Freundinn jetzt
Alle Bilder sischet,
Jetzt sein Herz noch oben ein:
Selbst Verlust muß den erfreun!
Zwar wär' ich, wie du, so reich,
Kaiser von Marocko!
Einer Kirchenratze gleich
Würd' ich beim Tarocko!
Geld, Verstand, und Muth, und Sinn,
Alles, alles rafft es hin.
Sieh, bein jedem Stiche fällt
Mir ein wackrer Streiter;
Vor- und Nachtrab, Knecht und Held,
König, Dam' und Reiter;
Alles, schöne Spielerin,
Huldigt dir, als Königin.
Aber meine ganze Schar,
Meine Matadoren
Sieggewohnten Phalanx gar,
Magst du niederbohren;
Dennoch stürmt ein Matador,
Amor, deines Busens Flor.
Nun, was lächelst du so süß,
Reizendes Agneschen?
Ach! es galt dem Gaukler Skies
Mit dem bunten Höschen!
Liebreich faßt sie, blickt ihn an.
Glücklich bist du, kleiner Mann!
Glücklick bist auch du, Bachat,
Wenn sie triumphierend,
Trotz der Hinterlist im Skat,
Dich, behend' entführend,
Drückt an ihre weiche Brust,
Doch des Glücks dir nicht bewußt.
Führe mich, Agneschen, heim!
Ha! wie heiß umfassen
Will ich dich, im Honigseim
Deiner Lippen prassen,
Schmiegen mich an deine Brust,
Meines Glücks mir wohl bewußt!