Die Mädchen an einen Jüngling

Carl Christian Agthe

Ich sehe mit Schmerzen,

Du kennest die Kerzen

Kupidens noch nicht!

Du hoffest, mit Herzen

Der Mädchen zu scherzen;

Es reizet die Rose dich, ehe sie sticht!

Zu spielen mit Rosen,

Zu küssen und kosen

Ist lieblich und fein;

Du trauest den Losen,

Sie lachen und stoßen

Ganz freundlich den Dolch in das Herz uns hinein.

O Jüngling, dann müssen

Mit Tränen wir büssen,

Mit innigem Schmerz!

Es fliehen die Süßen

Zu andern, und küssen,

Auch ihnen Verzweiflung ins wehrlose Herz.

Sie können mit Blicken

Die Herzen bestricken,

Und scheinen so gut!

Kaum kehrst du den Rücken,

So winken und nicken

Die Falschen, und freun sich der wachsenden Glut.

Wenn endlich dich eine

Von Tücken noch reine

Mit Zärtlichkeit liebt;

Wo wisse, der kleine

Kupido hat seine

Geheimere Ränke, wodurch er betrübt.

Oft spinnet er Fädchen

Am goldenen Rädchen,

Wie Haare so fein.

Kaum glaubst du dein Mädchen

Zu halten am Drätchen,

So reißt es, und läßt dich Betörten allein.

Viel hab ich gelitten

Hab dreimal gestritten,

Für Tränen zum Sold,

Bei dörflichen Sitten,

In moosigen Hütten,

Da wohnt die Liebe noch lauter, wie Gold.