Lied eines Mädchens

Carl Christian Agthe

Lieber Mond, du scheinest wieder

In mein stilles Thal hernieder;

Aber ach! mein Auge weint

Um den fernen Herzensfreund!

Schwermuthsvoller wallt und trüber

Mir die Stunde jetzt vorüber;

Da er hier mich einst entzückt

An sein klopfen Herz gedrückt.

Unter welchen Seligkeiten

Sah ich dich vorüber gleiten!

Holder lachte dein Gesicht

Keinem Mädchenauge nicht.

Leiser lispelten die Lüfte;

Süßer dufteten die Düfte;

Heller funkelte der Thau

Auf den Blumen dieser Au.

Aber ach! hinweg geschwunden

Sind die seligsten der Stunden!

Ach, im fernen Thale weint

Meinethalb der süße Freund!

Ach! Er weint, und deckt der Stunden

Die mit mir ihm hingeschwunden!

Doch, o Herz, gedulde dich!

Deinethalben härmt er sich!