Phillis
Carl Christian Agthe
Willkommen, selige Gefilde,
Allein durch Phillis' Reiz beglückt!
Durch sie, mit deren holdem Bilde
Sich selbst der ganze Frühling schmückt.
Im Angenehmsten Auge malet
Sich ihrer Seele Schönheit ab;
Aus jedem milden Blicke strahlet
Die Güte, die das Herz ihm gab.
Mit welchem muntern Rosenflore
Lacht ihre Lilienwange nicht!
So frisch bepurpurt lacht Aurore,
Wenn sie durch weiße Wölchen bricht.
Hier wandelt sie, und Blumen sprießen
Bei jedem leichten Tritt hervor,
Und Locken, die die Stirn umfließen,
Umsäuselt der Zephyre Chor.
Aglaja schwebt in ihrem Tanze,
Vermehrt in ihr die Schwesterzahl,
Krönt sie mit einem Myrthenkranze,
Und winket ihr zum Göttermahl.
Sanft, wie die Unschuld, wallt der Busen
Bei jener Saiten Harmonie:
Sie locket am Klavier die Musen
Zur Kunst der süßern Melodie.
Dort, wenn im Schatten junger Linden
Sie einsam mit der Tugend spricht,
Von Freiheit scherzt, und mit Empfinden
Sich neugeborne Veilchen flicht;
Dann singe du, o Philomele!
Mit Liedern voll von Zärtlichkeit
In Phillis' weich geschaffne Seele:
Sing' ihr der Liebe zartes Lied!