Selino und Alcimna

Carl Christian Agthe

Schön ist's wenn die braune Kluft

Rosensträuch umkränzen;

Und wenn in der Sommerluft

Ihre Blühten glänzen.

Aber schöner blühen sie

In Alcimnens Haaren;

Zephyretten können sie

Lange frisch bewahren.

Schön blüht das Vergißmeinnicht

An der Silberquelle.

Schön malt sich des Himmelslicht

In der klaren Welle.

Aber schöner ist der Strahl

Aus Alcimnens Blicken.

Herzen schafter süsse Qual,

Wonne und Entzücken.

Schön ist Apfelblüthen Pracht,

Weiß, und roth bemalet:

Wenn nach lauer Frühlingsnacht-

Thau noch auf ihr strahlet.

Aber es sind schöner doch

Meines Mädchens Wangen;

Wenn auf holdem Lächeln noch

Perlenthränen prangen.

Lockend steht die Erdbeer da,

In der Mittagsstunde;

Düftende Ambrosia

Beut sie unserm Munde. --

Stärker noch lockt zum Genuß

Ihrer Lippen Röthe,

Wenn ein aufgedrückter Kuß

Ihren Glanz erhöhte.

Weiß ist fette Milch, die mir

Meine Heerde reichet.

Weiß das Täubchen, welches hier

Durch die Lüfte streichet.

Aber sanftre Weisse schmückt

Meines Mädchens Busen. --

Seit sie an ihr Herz mich drückt,

Lachen mir die Musen!