Wiegenlied
Carl Christian Agthe
Töchterchen! schlaf ruhig ein;
Ich will wachend bey Dir seyn,
Und Dich mit Vergnügen,
Weil Du fromm bist, wiegen.
Schlaf! Du darfst nicht Unruhvoll
Sorgen, was Dich stärken soll:
Meine Brüste müssen
Dir zu Nahrung fließen.
Nichts bekümmre Deinen Geist!
Wie ein Bach durch Blumen fleußt
Müsse unter Küssen
Jeder Tag verfließen!
Wer ist glücklicher, als Du?
Du genießest Schlaf und Ruh,
Wenn in Ungewittern
Erd und Himmel zittern.
Heere mögen um Dich her
Sich erwürgen, und das Meer
Mag, wenn Winde stürmen,
Well' auf Welle thürmen.
Alles dies bewegt Dich nicht;
Aber, wen Beruf und Pflicht
An Geschäfte binden,
Sieht den Schlaf verschwinden.
Auch Du schläfst einst nicht so leicht;
Durch der Sorgen Wuth verscheucht,
Die Dein Herz umziehen,
Wird der Schlaf oft fliehen.
Drum schlaf jetzo noch vergnügt;
Unter Küssen eingewiegt,
Fliehet Gram und Kummer
Deinen sanften Schlummer.