Die Sterne

Carl Gottlieb Hering

Wie wohl ist uns im Dunkeln,

Wie weht die laue Nacht!

Die Sterne Gottes funkeln

In feierlicher Pracht.

Kommt Freunde, kommt ins Freie,

Und laßt in jene Bläue,

Und laßt zu jenen Höhn

Uns staunend aufwärts sehn!

Seht, wie die Leier schimmert!

Seht, wie der Adler glüht!

Seht wie die Korne flimmert

Und Gemma Funken sprüht!

Die hellen Wächter winken,

Die goldnen Wagen blinken,

Und stolz durchschwimmt der Schwan

Den blauen Ozean.

O Sterne Gottes, Zeugen

Und Boten bessrer Welt!

Ihr heißt den Aufruhr schweigen,

Der uns den Busen schwellt,

Wir sehn hinauf, ihr Hehren,

Zu euren lichten Sphären:

Und Ahndung ew'ger Lust

Stillt die empörte Brust.

Ja, Freunde, wenn die Schwermuth

Das Aug' uns trübend hüllt,

Wenn uns die Welt mit Wermuth

Den Lebensbecher füllt:

So geht hinaus im Dunkeln,

Und seht die Sterne funkeln:

Und leiser wird der Schmerz,

Und freier schlägt das Herz.

Auch wenn des Schicksals Strenge,

Geliebte, eins uns trennt,

Und uns das Weltgedränge

Nicht Blick, nicht Gruß mehr gönnt:

So schaut hinauf ins Freie,

In jene weite Bläue,

In jenen lichten Höh'n:

Dort, dort ist Wiedersehn.