Über ein Stündlein
Carl Hirsch
Dulde, gedulde dich fein!
Über ein Stündlein
Ist dein Kammer voll Sonne.
Über den First, wo die Glocken hangen,
Ist schon lange der Schein gegangen,
Ging in Thürmers Fenster ein.
Wer am nächsten dem Sturm der Glocken,
Einsam wohnt er, oft erschrocken,
Doch am frühsten tröstet ihn Sonnenschein.
Wer in tiefen Gassen gebaut,
Hütt' an Hütt'lein lehnt sich traut,
Glocken haben ihn nie erschüttert,
Wetterstrahl ihn nie umzittert,
Aber spät sein Morgen graut.
Höh' und Tiefe hat Lust und Leid.
Sag' ihm ab, dem thörigen Neid:
Andrer Gram birgt andre Wonne.
Dulde, gedulde dich fein!
Über ein Stündlein
Ist deine Kammer voll Sonne.