Bach, Echo und Kuß
Carl Maria (Friedrich Ernst) von Weber
Das Mädchen ging die Wies' entlang,
kein Blümchen an der Brust;
ob froh voraus das Lämmchen sprang,
ihr gab es keine Lust.
Die Flur war, ach, so still, so leer,
drum schlug das kleine Herz so schwer,
sonst keines Leids bewußt.
Das Mädchen kam zum Silberquell
und bückte sich hinein,
Und sah im Wasser, klar und hell,
Den holden Widerschein;
doch blieb's so einsam im Gefild,
es könnt' ihr das Narcissus-Bild
nur flücht'gen Scherz verleih'n.
Das Mädchen seufzte tief und sang
süß wie die Nachtigall,
und von der Sehnsucht Lied erklang
der ferne Widerhall;
doch Antwort nicht dem Liebeston,
nichts gab zurück der Felsensohn
als den empfang'nen Schall.
Das Mädchen suchte Rast und Ruh'
am duft'gen Schattenbaum,
da schlich der Jäger sich hinzu,
ihr dünkt' es nur ein Traum;
er sann nicht lang auf Wort und Gruß,
schnell fühlte seinen leisen Kuß
der Lippen Rosensaum.
Sie sträubte schüchtern sich und mild,
erblickte klar und hell
in Jägers blauem Aug' ihr Bild,
wohl schöner als im Quell;
und süßer als der Felsensohn,
erwiderte den Liebeston
der freundliche Gesell.
Nun dünkt' ihr Flur und Wald nicht leer;
sie sprach in stillem Sinn:
Dich Bächlein such' ich nimmermehr,
rausch' deines Wegs nur hin;
behalt' den matten Gegengruß,
Freund Widerhall! Des Jägers Kuß
bringt höheren Gewinn!