Das Licht im Thale
Carl Maria (Friedrich Ernst) von Weber
Der Geishirt steht am Felsenrand,
Ein Dirnlein naht in Pilgergewand.
"Gelobt sei Christ! -- bist du kein Geist?"
So frag' ich den, wer jetzt noch reis't.
"Was schimmert dort mit mattem Strahl?"
Das Feuerwürmlein fliegt im Thal.
"Schau, immer heller steigt's empor -- "
Der Irrwisch hüpft aus Schilf und Moor.
"So feurig glimmt der Irrwisch nicht -- "
So ist's des Bergmanns Grubenlicht.
"Schau hin, wie Sternlein leuchten jetzt -- "
Die Funken, die der Amboß spritzt.
"Nicht Hammer fällt, nicht Blasbalg facht -- "
Mein Enklein spinnt noch spät bei Nacht.
"Laub deckt der Spinn'rin Fensterschoß -- "
Die Kerzen flimmern im Herrenschloß.
"O blinkt vom Schloß der Schein mir zu,
Schenk' Gott dem Kranken sanfte Ruh'!"
Der Junker ruht wohl sanft genug;
Es sind die Fackeln vom Leichenzug.
"Ach, sind's die Fackeln vom Leichenzug,
Ist mir die Klipp' nicht steil genug!"
Der Geis zu steil -- gib' mir die Hand --
"Wohl tiefer meine Angst und Schand'!"
Geläut und Totenlied weht her,
Der Geishirt sieht die Maid nicht mehr.
Durch Wolken dringt der Mondenstrahl,
Die Maid liegt blutig im tiefen Thal.