Canopes Schlummer

Charles Koechlin

Auf den Tisch hingesunken und bereits im Dämmer eingehüllt,

auf der hohen Felsterrasse, die senkrecht ins dunkle Meer abfällt,

verstummen die Liebenden und lauschen gesammelt den ewigen Tönen

im Anblick des dunkelnden Abends.

Alcis träumt, regungslos, das Haupt geneigt;

Canope hat sich ihm sacht genähert

und müde hat sie, wie eine überschwere Bürde,

sanft ihre anmutige Stirn an seine Schulter sinken lassen...

Alles ist von Stille erfüllt... aus der Tiefe ferner Höfe

vernimmt man klarer das Schluchzen der Brunnen

hier und da scheint über dem Hafen ein Licht.

Und das seltsame Seufzen, das der Nacht entsteigt,

geheimnisvolles Offenbaren des Innersten der Dinge

wird leiser, wenn es über die Rosen weht.

Alcis träumt, und der unendliche Friede, die Süße

der Nacht, die unermessliche, schweigsame Tiefe,

die Sichel des Mondes und der flimmernde Stern zu seinen Füßen

und das raunende Meer und dieses Mädchen,

das ihm entspannt den Nacken zuneigt,

scheinbar in Liebe erstarrt, umrahmt von goldenem Haar.

Alles macht ihn trunken! Ein ruhiger und feierlicher Taumel

scheint seine Zärtlichkeit bis zu den Sternen auszudehnen;

zitternd neigt er sich und betrachtet lange die ebenmäßige Stirn,

von wallendem Haar umflossen,

und den Rosenmund mit dem schimmernden Glanz der Zähne

und den schönen Busen, der sich in langsamem Gleichmaß hebt.

Laub raschelt in der Ferne... Die Nacht träumt...

Alcis hat gespürt, wie seine Seele sich niederließ,

als er, die Augen am Himmel, langsam den Mund küsst,

und, plötzlich scheint ihm das Herz zu zerspringen,

denn er spürt, niemals, niemals mehr im Leben

wird er den Zauber der Ruhe wiederfinden,

die Nacht und die Stille, und dieses freundliche Meer,

und diesen Kuss im Dämmer, den er der schlummernden Canope gab.