Die toten Träume
Charles Koechlin
Schau! Dieses Meer hat, zur Ruhe gekommen, wie ein Schild
den ganzen Tag die Flanke der Küsten zerschmettert,
in Sätzen ihre brodelnden Treppen erklommen
und auf die bebenden Felsen, die brüllen, ohne zu wanken,
lange schwarze schäumende Wogen geworfen.
Ein frischer Wind pocht heute auf das Wasser;
der Sonne Schönheit setzt sich leuchtend darüber,
und zum hellen Horizont, an dem die Boote der azurnen Küste zieh'n,
entfliehen Vögel in wirbelnden Kreisen,
eines Gottes Unendlichkeit ermessend.
Aber inmitten des Tangs, an den Spitzen der Inseln,
richten jene ihren verstörten Blick durch das ruhende Wasser,
die der ungezügelte Angriff des Sturmes zerschlug,
leichenblass und blutend unter der Schwere der Wogen,
den Mund noch offen und voll erstickten Schluchzens.
Freund, dein Innerstes ist wie jenes Meer,
das auf feinem Sand kräuselnde Wellen zieht.
Es hat geweint, dem bitteren Abgrund gedroht,
sich hundertmal gegen eiserne Felsen geworfen,
einen langen Tag, voll des Taumels und des furchtbaren Ringens!
Jetzt weicht es zurück, kommt zur Ruhe, glättet sich.
Ohne Furcht und ohne Verlangen, dass der Sturm wieder auflebt
unter der unsterblichen Sonne, wogt es kaum.
Aber Genie, Erwartung, Liebe, Kraft und Jugend
liegen dort, geblieben in der tosenden blutigen Schlacht...