Frau Luna, in fahlgrauem Kleide

Charles Koechlin

Frau Luna, in fahlgrauem Kleide,

im blauen Samt und grünen Satin

ihrer opalgedeckten Salons

empfängt sie die Reimer.

Und mit topasbekränzter Stirn,

inmitten duftiger Wolkenkissen,

lauscht sie in geheuchelter Verzückung

den Gesängen ihrer wunderlichen Gefolgschaft.

Unser Hoffen, unser Begehren, unsere Freuden, unser Leiden

kennt sie seit zehntausend Jahren!

Unsere Herzen von den Schrecken zu heilen,

die das eisige Lächeln der Frauen, ihrer Schwestern, verbreitet,

schmückt sie launig ihr Lächeln

mit schmeichelnder Süße.

Wenn dann der Sternenglanz verblasst,

der von weither verschwommen flimmert,

geht sie langsam daran, ihre Schleier

unter ihren azurblauen Behängen zu lösen.

Man glaubt, sie schliefe, ermattet und allein,

aber ihr perlmutterner Wagen mit schimmernden Achsen

trägt sie in fliehendem Lauf um die Erde

und bereits unter anderen Himmeln.

Frau Luna, in fahlgrauem Kleide,

im blauen Samt und grünen Satin

ihrer opalgedeckten Salons

empfängt sie die Reimer.