Mondlicht

Charles Koechlin

Ureinst, in den Tagen des Feuers, zu denen die Erde brüllend

als glutflüssiger Klumpen quer durch den weißen Himmel stürzte,

und ihr gebogener Leib allmählich schwoll,

barsten unter einer gewaltigen Anspannung ihre brennenden Flanken,

und sie schleuderte in den Reigen der schon entstandenen Welten

den Mond, der in ihr wuchs.

Damals, im Glanze strahlender Zeiten,

unermüdlich, ohne Ende, immerdar

betrachtete die Mutter, trunken vor Liebe,

das Kind am Himmel, das in seiner Kraft wie eine junge Sonne lief.

Es loderte! Kälte kam, ließ es in bleiernen Schlaf fallen

und versteinerte seinen Mantel.

Dann folgten helle Zeiten lauer Lüfte;

Der Mond belebte sich mit murmelnden Wesen,

er hatte grundlose Meere und zahllose Flüsse;

Herden, Städte, Tränen, freudiges Rufen;

er hatte seine Liebe, seine Künste, seine Gesetze, seine Götter,

und langsam kehrte er in den Schatten zurück.

Seit dieser Zeit verspürte niemand mehr Lunas jungen, heißen Kuss;

die Erde wird alt und sucht sie noch immer da droben:

alles ist leer... aber des Abends zieht eine schemenhafte Gestalt am Himmel;

man könnte sagen, wenn man sie lautlos wandern sieht,

es sei die Seele eines toten Kindes, das nachts wiederkehrt,

seine Mutter im Schlafe zu sehen.