Letzter Wunsch

(Christian) August Pohlenz

Wann, o Schicksal, wann wird endlich

Mir mein letzter Wunsch gewährt?

Nur ein Hüttchen, still und ländlich,

Nur ein kleiner, eigner Herd.

Und ein Freund, bewährt und weise,

Freiheit, Heiterkeit und Ruh.

Ach! und sie!, das seufz' ich leise,

Zur Gefährtin sie dazu.

Wenn ich noch ein Gärtchen hätte,

Bauten wir's mit eig'ner Hand,

Statt geschorener Boskette

Und der Hagenbuchenwand

Dämmert uns ein Dach von Latten,

Dicht mit Rebengrün bedeckt,

Tief im Silbertannenschatten

Vor des Neides Blick versteckt.

Statt Kanäl' und Gartenteiche

Nur ein Röhrenbrunnentrog.

Statt Alleen und Taxussträuche

Früchte, die ich selbst erzog.

Durch ein Gatter, nur von Pfählen,

Durch den Vorhof, eng und klein,

Eilt ich, statt nach Marmorsälen,

In ihr trautes Kämmerlein.

Bei des heitern Morgens Frische

Hörten wir im Buchenhain

Dort am Wasser im Gebüsche

Nachtigallenmelodein.

Auch begänne sie Gesänge,

Wäre Philomel' entflohn,

Und in meine Seele dränge

Tiefer noch ihr süßer Ton.

Unterm Strauch voll Hagerosen,

Auf dem rotbeblümten Klee

Könnten wir so traulich kosen,

Wie auf seid'nem Kanapee.

In dem Duft entblühter Bohnen

Unter Pappeln, hoch und schlank,

Bauten wir, trotz gold'nen Thronen

Eine kleine Bretterbank.

Beeren, die ihr Finger drückte,

Honig, der der Wab' entfloß,

Kräuter, die vom Beet' sie pflückte,

Milch, die sie in Schalen goß:

Ha! bei solchem Göttermahle

Säßen wir, wie froh, wie stolz!

Wär' auch Löffel, Kelch und Schale,

Nur aus weißem Buchenholz.

Mit den holden Dörferinnen,

Nach der Weidenpfeife Schall,

Einen Maientanz beginnen,

Gält' uns mehr als Maskenball.

Lieber, als der Prunk der Bühnen

Dem verwöhnten Städterschwarm,

Wär' ein Pfänderspiel im Grünen

Mir an meines Mädchens Arm.

In gestirnten Sommernächten,

Wenn der Mond die Schatten hellt,

Wallte sie an meiner Rechten,

Durch das thaubeträufte Feld.

Oft zum mildern Abendsterne

Hüb' ich den entzückten Blick;

Öfter senkt' ich ihn, wie gerne!

Auf ihr blaues Aug' zurürck.

Vieles wünscht' ich sonst vergebens!

Jetzo nur zum letztenmal,

Für den Abend meines Lebens,

Irgendwo ein Friedensthal,

Edle Muß' in eigner Wohnung,

Und ein Weib voll Zärtlichkeit,

Das, der Treue zur Belohnung,

Auf mein Grab ein Veilchen streut.