Ermuthigung
Christian Gottlieb Müller
Was ist's, das unsterbliche Geister entzückt,
Wenn sie niederblicken zur Welt?
Ein Herz, nie vom Unglück niedergedrückt,
Ein Muth, der im Kampfe sich hält,
Ein gläubiges Auge, das fest und kühn
Zum Himmel empor sich rafft!
Hoch oben, wo die ewigen Sterne blühn,
Da wohnt die ewige Kraft!
Die Thräne, welche zur Erde sinkt,
Der Erde gehöret sie an;
Zum heiligen Äther der Heimath schwingt
Der göttliche Geist sich hinan!
Die Ruhe, sie wohnt in der Götter Kreis,
Unerschütterlich steht dort ihr Thron; --
Und wer nicht muthig zu sterben weiss,
Ist nicht der Unsterblichen Sohn!
Im Thale schleichen die Wolken hin,
Vom Berge die Sonne nicht weicht;
Empor, empor du gedrückter Sinn,
Wohin kein Nebel mehr reicht!
Den Lorbeer wirst du am Ziele schaun,
Umstrahlt vom ewigem Glanz;
Breit' aus den Fittig im kühnen Vertraun
Zum immerdar blühenden Kranz!
Es kämpften die Grossen der alten Zeit,
Die edeln Herzen, wie du;
Sie gingen, die Helden, durch Kampf und Streit
Dem Land der Vergeltungen zu;
Aus ihren versunkenen Gräbern spricht
Eine Stimme, die ewig ertönt:
Wir tranken den Kelch, und zitterten nicht,
Und wurden mit Ruhme erkrönt!
Das ist's, was unsterbliche Geister entzückt,
Wenn sie niederblicken zur Welt,
Ein Herz, nie vom Unglück niedergedrückt,
Ein Muth, der im Kampfe sich hält!
Ein gläubiges Auge, das fest und kühn
Zum Himmel empor sich rafft!
Hoch oben, wo die ewigen Sterne blühn,
Da wohnt die ewige Kraft!