Friedensgruß

Christian Gottlieb Müller

Friede des Himmels mit den Pilgern allen,

Die noch der Prüfung dunkle Pfade wallen,

Richtend den Aufblick zu der Heimath Hallen!

Daß Keiner jemals hier in Lauf ermüde! --

Allen sei Friede!

Friede den Herrschern, die auf ihren Thronen

Laster bestrafen, das Verdienst belohnen!

Milden Gestirnen gleichen ihre Kronen.

Daß auf die Enkel durch sie glücklich werden:

Friede auf Erden!

Friede den Edeln, die den Geist erheben,

Eifrig nach Wahrheit und nach Tugend streben,

Thätig für And're, nich für sich nur leben!

Alle erquicke, wenn hier Stürme toben,

Friede von oben!

Friede dem Dulder, der vom Gram umnachtet,

Einzig nach Hülfe aus der Höhe schmachtet;

Würdig des Himmels, Gottes Rathschluß achtet!

Tröstend umschwebe ihn im frommen Liede,

Ruhe und Friede!

Friede den Theuern, die in sel'gen Stunden,

Liebe und Treue fest mit uns verbunden;

Nimmer dem Herzen, oft dem Blick entschwunden!

Friede dem nahen, wie dem fernen Freunde!

Friede dem Feinde!

Friede den Todten, die in Hoffnung starben!

Jenseit der Gräber reifen ihre Garben,

Blühen den Kränze, die sie hier erwarben!

Friede dem Geiste, dort in Edens Laube!

Friede dem Staube!