Das letzte Glas

F. Commer

Was wird Dir bei dem letzten Glas,

Die Wange bleich, das Auge naß;

Was starrst Du trübe in den Wein,

Es muß einmal geschieden sein.

Mit Sang und Klang die Straß' entlang,

So hab' ich gern den letzten Gang.

Im Becher helles Rebenblut

Und Rosen auf dem Wanderhut.

Sieh', drüben aus dem hohen Haus

Schaut eine schöne Maid heraus.

Das Aug' durch blüh'nde Rosen sieht —

Ob Aug', ob Ros' am schönsten glüht?

Nun wirft sie einen frischen Strauß

Verhohlen auf die Straß' hinaus.

Die Lieb' ihn wand, ich hol' Dir ihn,

Damit magst Du zur Weite zieh'n.

Was eilest Du doch allzusehr,

Der Strauß liegt dort schon lang' nicht mehr.

Ein Anderer ihn freudig nimmt,

Er weiß, daß er für ihn bestimmt.

Mir wirft man keinen Blumenstrauß

Verstohlen auf die Straß' hinaus.

Die drüben dort so freundlich thut,

War mir seit Jahren herzlich gut.

Sie hab' seit Jahren ich geliebt,

Sie nimmer durch ein Wort betrübt.

Stoß an! stoß an! das Glas zerspringt,

Wie meine Lieb zu Grabe sinkt.

Laß stille schreiten mich allein,

Es muß einmal geschieden sein.

Statt Rosen auf dem Wanderhut

Sind weiße Lilien für mich gut.