Beethoven-Lied

Cornelius, Peter

Das war vor hundert Jahren,

Da ist ein Kraft erwacht,

Der Welt zu offenbaren

Der Töne höchste Macht;

Das war in deutschen Gauen,

Aus deutschen Weibes Schoß,

Das wuchs in geist'gem Schauen

Zum Schaffen riesengroß.

Und als das die Welt durchdrang und gewann,

Und als es der Deutsche erfasst' und durchsann,

Da ward ihm aus Klanges Schmerz und Lust

Ein deutsch' Evangelium bewusst:

Kampf um Licht in ewigem Krieg,

Sieg der Liebe, Freiheit, dein Sieg!

Schönheitsmacht aus göttlichem Drang,

Das war uns'res Beethoven Sang!

Und heut', nach hundert Jahren,

Da hob sich Deutschland empor,

Da hat's in Heldenscharen

Gesiegt wie kein Volk zuvor;

Des Meisters geistig' Schaffen

Der Tat die Bahnen brach,

Es stürmt ein Volk in Waffen

Des Meisters Fahne nach.

Nicht um eitlen Ruhm, nicht um Kronen und Gut

Gaben all' die tausend Deutschen ihr Blut;

Es galt einem höchsten, herrlichen Ziel,

Geahnt aus des Meisters Saitenspiel:

Deutsches Herz, du Sieger im Feld,

Deutsches Volk, du Führer der Welt!

Führ' zur Freiheit Ost und West,

Das sei dann dein Beethovenfest.

Nach hundert, hundert Jahren,

Da wandeln zu sel'ger Zeit

Im Licht, im himmelsklaren,

Die Völker weit und breit.

Da bauen sie in Frieden

Des Schönen Wunderbau

Vom Erdental hienieden

Hoch in des Himmels Blau.

Wir schauen dich nicht mehr, du selige Zeit,

Doch dir war schon all' unser Streben geweiht.

Wir grüßen dich laut mit des Meisters Gesang,

Den das Sehnen nach dir so gewaltig durchdrang:

Sel'ge Zeit! Dir strahlet das Licht,

Lieb' und Freiheit Kronen dir flicht;

Deutscher Herzen glühendster Schlag

Grüße dich am Beethoventag!