Alladin auf dem Grabe seiner Mutter

D. Kuhlau

Schlafe, Kind, im Blumenbeet,

lass die Träume dich umgaukeln,

ob auch still die Wiege steht,

ohne Kissen, ohne Schaukeln.

Hörst du, wie der dumpfe Sturm

seufzet, weil ich dich verloren?

Merkst du, wie der Leichenwurm

sich bemüht, den Sarg zu bohren?

Schlafe, Kind, bei dem Gesang;

alle Sternlein blinken helle.

Merkst du wohl den munter'n Klang,

hoch im Turm, von deiner Schelle?

Nachtigall im Baume fliegt;

hörst du ihre süßen Lieder?

Mutter, hast mich oft gewiegt,

nun will ich dich wiegen wieder.

Ist dein Herz noch immer weich,

Sieh mein Trauren und mein Leiden!

Hier aus dem Holunderzweig

will ich dir 'ne Flöte schneiden.

Horche, wie der Schall vergeht!

Stirbt im kalten Frühlingswetter,

wie ein Wind der Nacht verweht

durch die nassen Winterblätter.

Ach, nun muss ich wieder fort!

's ist so kalt an deinem Grabe,

und ich weiß gar keinen Ort,

wo ich warm mich wieder labe.

Schlafe, Kind, im Blumenbeet,

lass die Träume dich umgaukeln,

ob auch still die Wiege steht,

ohne Kissen, ohne Schaukeln.