Das Mädchen bei der Rose
D. Kuhlau
Anzusehn
Bist du schön
In dem braunen Moose;
Aber ich
Kenne dich,
Schmeichelhafte Rose!
Brust und Haar
Schmückst du zwar,
Und dein Duft ist lieblich;
Wäre nur
Von Natur
Dir nicht Schalkheit üblich!
Dein Gedüft
Athmet Gift,
Das im Blute schäumet.
Banger Lust
Halb bewußt,
Schwindelt man und träumet.
Rede, wer?
Und woher?
Lieblingin der Flora!
O dich schuf,
Sagt der Ruf,
Aus der Thrän' Aurora!
Als den Kuß
Cephalus
Grausam ihr versaget;
Weinte sie
Spät und früh,
Wo der Held gejaget.
Schnell einmal
Schaut im Thal
Sie die Ros' entblühet,
Roth und feucht,
Wie, ihr däucht,
Jetzt die Wang' ihr glühet.
Wer sie bricht,
Der kann nicht,
Als nach Küssen streben.
Drum hat ihr,
Warnung mir!
Zeus den Dorn gegeben.