Der Engel der Unschuld

D. Kuhlau

Wer stillet die Schmerzen dem weinenden Kind?

Der Engel der Unschuld umschwebet es lind!

Er wiegt und spielt es in süße Ruh',

und es lächelt im Schlummer das Kind ihm zu.

Wer hütet den Knaben? Er schwärmt hinaus,

er ruhet am Fels, an des Abgrundes Graus!

Der Engel reicht ihm die sich're Hand,

er umhüllet ihn schützend mit seinem Gewand.

Die Jugend schwindet; mit kühnem Mut

taucht sich der Jüngling in Lebensglut.

Die Geister der Erde bestricken sein Herz,

er berauscht sich im Wahn und erwacht im Schmerz.

Der Engel entfliehet, doch weht er voll Huld

der Liebe Traum um des Sterblichen Schuld

und baut in die Nacht ihm ein strahlendes Haus

und schmückt es mit Sternen der Hoffnung aus.

Die Kraft versieget; am zitternden Stab

wandelt der Greis das Leben hinab.

Da nahet sich wieder mit süßer Ruh'

der Engel und drückt ihm die Augen zu.