Die Wünsche

D. Kuhlau

Wär' ich doch ein milder West!

Um ihr Lager wollt' ich schweben

wie die Schwalbe um ihr Nest,

leicht auf ihren Locken beben,

feiernd meiner Liebe Fest,

und, in Blumen tief versunken,

an des Mägdleins keuscher Brust

still vergeh'n vor sel'ger Lust,

von der Holden eingetrunken.

Wär' ich doch der Wonnetau,

der im frommen Auge bebet,

wenn es sich auf stiller Au

sanft verklärt gen Himmel hebet!

Fernt die Spötter, mich zu seh'n!

Denn ich will auf ihren Wangen

bald mein edles Ziel erlangen

und vor Seligkeit vergeh'n.

Wär' ich doch die Luftbewegung,

die im Innern ihr entsteht,

wenn sie liebesinnend geht

in des Herzens erster Regung,

unbewusst, woher sie kam.

O, dann sollten wundersam

uns're Wesen sich vereinen,

Tropfen aus demselben Quell

gleich verherrlicht, klar und hell,

in dem hocherhab'nen Einen!