Ein Knappe ritt die Haid entlang
D. Kuhlau
Ein Knappe ritt die Heid' entlang,
Seinem Liebchen fein entgegen;
Ihm ward so einsam und so bang,
Thät' rings sich nichts mehr regen;
Die Nacht brach still und schwarz herein,
Und Nebel hüllten den Pfad ihm ein.
Weit war der Weg zum Liebchen fein,
Fern ihres Vaters Hallen;
Da sah der Knapp' im Dämmerschein
Einen Pilger einsam wallen.
Gesellig sprach er den Fremden an:
"Woher, wohin, Du Wandersmann?
Was gehst allein auf der Heid' umher?
Magst leicht im Dunkeln irren.
Sieh, Nachtgewölke ziehn so schwer,
Und Fledermäuse schwirren.
Gern halt' ich an des Rosses Gang,
So ziehn wir selbander die Heid' entlang."
Die Beyden reis'ten zusammen fort,
Doch blieb der Pilger stille.
Da fragte der Knapp': "nach welchem Ort,
Gefährte, steht dein Wille?"--
"Wohin Du gehst, da geh' ich nicht,
Wir scheiden, wenn der Tag anbricht."--
"So sage mir denn, wie nennst Du Dich?"--
"Ich bin der Graf von der Heide."--
"Und geht Ihr so still und einsamlich?"--
"Das macht, ich geh' im Leide."--
"Wo ist Euer Knapp' und Euer Roß?"--
"Sie harren mein im dunkeln Schloß."
"Ach, edler Graf, so unbewehrt
Durchwallt Ihr die dunkle Heide?"--
"Was soll mir Helm, was soll mir Schwert?
Thut Keiner mir was zu Leide.
Und daß Du, Knapp', nur alles weißt:
Ich bin eines todten Grafen Geist.
Du reitest schnell durch die dunkle Nacht,
Bey Liebchen süß zu erwarmen;
Mich hat die Lieb' ins Grab gebracht,
Ich ruh' in Todes Armen.
Nun fahre wohl; der Tag bricht an,
Reit' hin, du frischer, lebendiger Mann!"