Liebesproben

D. Kuhlau

Es war ein Edelknabe,

Der liebt' ein' Jungfrau hold,

Und warb um süße Gabe,

Um keuschen Minnesold.

Die Jungfrau war so stolz und rein,

Sie sprach: "ich will mein eigen seyn;

Ich bleibe bis zum Grabe

Wohl frank und frey allein."

Als an der Felsenquelle

Sie froh sich einst ergeht,

Hat in die flücht'ge Welle

Der Wind ihr Tuch geweht.

Der Edelknecht, voll Liebesgluth,

Sprang freudig wagend in die Fluth,

Und bracht' es ihr zur Stelle

Zurück mit frohen Muth.

"Wie kannst Du's redlich meinen?"

Sprach sie ihn zürnend an.

"Dieß Wagniß hat den Deinen

Im Herzen weh gethan.

Wer nicht den Gram der Ältern ehrt,

Ist keiner keuschen Jungfrau werth.

Magst lachen oder weinen,

Mein' Huld bleibt Dir verwehrt."

Einst focht der Knappe eben

Mit seines Stammes Feind,

Und als auf Tod und Leben

Zu siegen er gemeint,

Da rief die Herzgeliebte ihn,

Geboth, das Schwert zurück zu ziehn,

Und ihrem Wink ergeben,

Ließ er den Feind entfliehn.

Ein Graf lag hart gefangen,

Den hieß sie ihn befreyn,

Und eifersücht'ges Bangen

Nahm seinen Busen ein.

Doch sammelt' er der Freunde Schar,

Und stürmte kühn und offenbar,

Bis in den Thurm sie drangen,

Und frey der Grafe war.

Er zeigt mit dieser Kunde

Dem süßen Weibe sich,

Und hört aus ihrem Munde:

"Mein Freund, ich liebe Dich."

Da hob der herrliche Gewinn

Zu rasch empor ihm Brust und Sinn,

Und aus verborgner Wunde

Floß Blut und Leben hin.