Mathildens Klage

D. Kuhlau

In Asiens fernem Gefilde

Fand Reinald, mein Lieber, den Tod.

Da fiel er, vom Blute so roth,

Und lispelte sterbend: "Mathilde!" --

Verlassen!

Mir blassen

Die Wangen in einsamer Noth.

Doch ward die Märtererkrone,

Da siegend im heiligen Streit

Sein Leben er Jesu geweiht,

Dem Treuen zum ewigen Lohne.

Geschieden

In Frieden

Von jeglichem irdischen Leid!

Jüngst weint' ich im Schatten der Linden,

Im Busen stieg Sehnsucht nur auf;

Da schwebte der Abend herauf

Aus bräunlichen Felsengewinden.

Durch Wälder

Und Felder

Ging Mond seinen einsamen Lauf.

Und seltsam rauscht' es im Haine.

Herab von buschigen Höh'n

Ließ dämmernd ein Schatten sich sehn;

Der wankt' um die moosigen Steine.

"Mathilde!

Mathilde!"

So flisterte leises Getön.

"Hör' auf, Mathilde, zu trauern,

Und trockne die Thränen dir ab.

Ich fand ein rühmliches Grab

Vor Salems heiligen Mauern.

Zur Erde

Vom Pferde

Sank blutend mein Leichnam herab.

Gethsemane's Palmengesträuche

Beschatten mein stilles Gebein;

Dort senkten die Krieger es ein,

Und netzten mit Thränen die Leiche,

Doch schonend,

Und lohnend,

Rief Gott mich ins Himmelreich ein."

Da strahlte aus himmlischer Ferne

Ein Glanz um die Schattengestalt.

Er wandelte leicht durch den Wald,

Die Locken umkränzten ihm Sterne. --

Ihr Mächte,

Durch Nächte

Führt mich zu dem Heiligen bald!