Nachtgesang
D. Kuhlau
Süßes Flüstern
in den düstern,
in den dichtbelaubten Zweigen!
Fromme Winde,
wie gelinde
webt ihr bei des Tages Neigen!
Hier ein Völkchen
kleiner Wölkchen
treibt ihr zu der Sonne Bette.
Wie die Holden
sich so golden
sammeln um die heil'ge Stätte!
Euren kühlen
Flügelspielen
öffnen Kelche sich voll Düfte,
Wonne gebend,
sanft verschwebend
in das Meer der gold'nen Lüfte.
Eure Küsse
fühlt die süße
silberblaue kleine Welle;
froh erglühend
zieht sie fliehend
Kreise durch die Rosenhelle.
Zauberleben
lauscht im Schweben
eurer mild gezähmten Flügel.
Süß erblühen
Phantasien
frei und herrlich ohne Zügel.
Zu den fernen
kleinen Sternen
auf der Silberstrahlenbrücke
zieh'n vertrauend
aufwärts schauend
zum Verein getrennte Blicke.
Sich zu retten
aus den Ketten,
seine Urkraft zu erringen,
frei wie Düfte
in die Lüfte
strebt der Geist sich aufzuschwingen.
Wo die dunkeln
Höhen funkeln
in der süßen Welt der Sterne,
folgt sein Ahnen
ihren Bahnen
zu der heimatlichen Ferne.