Feurige Liebe
D. Rüst
Wächst ein Kraut in unserm Garten,
Feur'ge Liebe heißt das Kraut;
Kommt des Nachbars schmucke Tochter,
Hat mich freundlich angeschaut.
Steckt das Kräutlein mir ins Knopfloch,
Spricht: "Wie blaß ist dein Gesicht!
Feur'ge Liebe trag' am Herzen,
Roth und fröhlich, frisch und licht."
Hab' das Kräutlein auch getragen,
Bis es welk und unscheinbar,
Hab' mirs aus dem Sinn geschlagen:
Doch da kam's gar wunderbar!
Wurzel schlug es mir im Herzen,
Dehnt' sich drin gewaltig aus,
Brennt wie Nesseln, unter Schmerzen
Treibt es Blüth' um Blüth heraus
Hätt' ich's früher nur geahnet,
Daß das Kraut so wunderlich,
Hätt' ich lachend sie gebeten:
"Schatz, behalt es nur für dich."
Aber jetzt! ich fühl', ich fühl' es,
Auszurotten geht's nicht mehr.
Aus dem Knopfloch läßt sich's reißen,
Aus dem Herzen nimmermehr!