Amor und die Nymphen
J. von Dalberg
Einst schlief auf Schilf, des Schwärmens müde,
an einem Quell Gott Amor ein.
Der ganze Erdkreis hatte Friede;
mit Amorn schlief der Liebe Pein.
Ihn sah'n des Quells Najaden liegen;
bald hüpfen sie zu ihm heran
und blicken schweigend, voll Vergnügen,
den jungen Reiz des Gottes an.
„Wie rosig ist sein Mund!“ spricht sachte
der Nymphen eine aus der Schar.
Leis' höret Amor. Er erwachte,
und wo er wacht, da droht Gefahr.
Er trügt durch Blick und Schmeichelrede
die Guten; sie freu'n ahndungslos
sich sein, und nehmen, minder blöde,
bald selbst den Falschen auf den Schoß.
Sie kränzen ihn mit Myrthen, fächeln
mit Blumen Stirn und Wang' ihm kühl.
Er lohnet sie mit süßem Lächeln;
sein Pfeil trifft leicht in solchem Spiel.
Die Unvorsichtigen erkannten
an Flammen, welche Tag und Nacht
bald ihnen tief im Busen brannten,
dass Zypripor sie angefacht.
„Verwegn'ner,“ riefen sie, „der Tücke!
Du, du entflammtest diese Glut!
O gib uns uns're Ruh' zurücke!
Wir brennen mitten in der Flut!“
„Nährt,“ sagt' er, „meine Glut im Stillen!
Durch Klag' und Unmut mehrt ihr sie.
Anzünd' ich sie nach meinem Willen,
allein sie löschen kann ich nie.“