Die Liebe

J. von Dalberg

Die Lieb', o Daphne, thronet

allmächtig überall,

herrscht im Palast und wohnet

am kühlen Wasserfall.

Sie buhlt in Abendwinden

um sanft geschwelltes Moos

und blüht in Frühlingsgründen

in dunkler Veilchen Schoß.

Sie zeigt in Rosenblättern

im Tau des Morgens, mild

gepflegt von Liebesgöttern,

verschämter Wangen Bild.

Sie lehrt den Käfer schwirren,

singt aus der Nachtigall,

seufzt in des Täubchens Girren

und scherzt im Widerhall.

Sie flötet ihr Entzücken

an frommer Hirten Tür,

spricht jetzt aus meinen Blicken

und huldigt, Schönste, dir!