Rusalka
Dargomyzhsky, Alexander
DER PRINZ (Tenor)
RUSALKA, eine Nixe (Sopran)
DIE FREMDE FÜRSTIN (Sopran)
DER WASSERMANN (Bass)
JEZIBABA, eine Hexe (Alt)
EIN HEGER (Bariton)
DER KÜCHENJUNGE (Sopran)
DREI ELFEN (Sopran und Alt)
Elfen und Nixen, Hochzeitsgäste und Jäger
SYSTEMERSTER AUFZUG
Wiesengrund am Ufer eines Sees. Ringsum Wälder, unweit des Seeufers die Hütte der Waldhexe. Vollmond. Auf einer alten Weide, die ihre Zweige über den See neigt, sitzt Rusalka in traurigem Sinnen.
tanzend auf dem Wiesengrund
DREI ELFENHei-ja he,
DREI ELFENVollmond steht über'm See!
DREI ELFENWassermännchen, klüglich achte,
DREI ELFENwie der Mond sich hebt schon sachte,
DREI ELFENeben dir ins Fenster lachte,
DREI ELFENhei-ja hein,
DREI ELFENin dein silbern Kämmerlein!
DREI ELFENHei-ja he,
DREI ELFENMondschein leuchtet über'm See!
DREI ELFENLüftchen tanzt am Uferrande.
DREI ELFENWassermännchen lockt zum Strande,
DREI ELFENWassermännchen, Hampelmännchen,
DREI ELFENhei-ja ho,
DREI ELFENWasserbläschen steigen froh.
Der Wassermann taucht aus dem See auf und reibt sich die Augen
DREI ELFENHei-ja he,
DREI ELFENWassermännchen über'm See!
DREI ELFENWassermännchen möchte freien,
DREI ELFENwer von uns soll ihm sich weihen,
DREI ELFENihn erringen und erzwingen,
DREI ELFENhe, he, he,
DREI ELFENdass die Alte von ihm geh'!
Sie umtanzen den Wassermann
WASSERMANNSchön willkommen hier am Uferrand!
WASSERMANNWie, es ist traurig dort im Waldrevier?
WASSERMANNHab' hier am Grunde manches Perlenband
WASSERMANNund volle Säcke gold'ner Fischelein -
WASSERMANNspringe ans dem Schilfe,
WASSERMANNhasch' mir eine Sylfe,
WASSERMANNpacke es am Beinchen,
WASSERMANNzieh' herab das Kleinchen,
WASSERMANNschnell herab zu mir!
WASSERMANNHascht nach ihnen
ELFENWassermännchen, hei-ja fein,
ELFENfang' uns nur, dann sind wir dein!
ELFENHei-ja he.
ELFENFängst du bald ein Elfchen hier,
ELFENkriegst du einen Kuss von ihr!
ELFENDoch die Alte dann zu Haus,
ELFENWassermännchen, denk', o Graus!
ELFENreisst dir alle Haare aus!
ELFENHei-ja ho.
Sie laufen davon
WASSERMANNAusgelassnes Treiben,
WASSERMANNohne Sitt' und Tugend!
WASSERMANNÜber Felder, durch die Wälder -
WASSERMANNach, die Jugend! Jugend!
RUSALKAWassermännchen, Väterchen!
WASSERMANNEi, zum Kuckuck, Kleine -
WASSERMANNtrocknest du die Netze mir
WASSERMANNin des Mondes Scheine?
RUSALKAWassermännchen, Väterchen,
RUSALKAdu verweilst nie lange,
RUSALKAlasse mich nicht so allein,
RUSALKAtraurig ist mir, bange!
WASSERMANNWieso denn bange?
RUSALKAVoll von Traurigkeit!
WASSERMANNIn unserm Kreise?
RUSALKATraurig jederzeit!
WASSERMANNUnten in den lust'gen Reih'n?
WASSERMANNSag, wie kann's da traurig sein?
RUSALKAFort von euch möcht ich, dahin geht mein Streben,
RUSALKAich möcht ein Mensch sein und im Lichte leben.
WASSERMANNKann ich es glauben, fällt dir sonst nichts ein?
WASSERMANNMit Menschen leben, willst du sterblich sein?
RUSALKADu erzähltest ja die unbekannten Sagen,
RUSALKAsie hätten Seelen, die wir nicht haben,
RUSALKAund diese Seele steigt hoch zum Glanz des Lichts,
RUSALKAdort strahlt sie ewig, bleibt vom Mensch auch nichts!
WASSERMANNBleib von Mutterwellen sanft umschlungen,
WASSERMANNeine Seele nie begehre, sie ist voll der Sünden!
RUSALKAUnd voll der Liebe!
WASSERMANNWie du Antwort gibst!
WASSERMANNDas klingt, als ob du einen Menschen liebst?
RUSALKAOft kommt er her zu mir,
RUSALKAsteigt in des Sees Wogen,
RUSALKAgerne verweilt er hier,
RUSALKAvon mir sanft angezogen.
RUSALKAUnsichtbar bleibe ich,
RUSALKAsehen darf er mich nicht.
RUSALKAIch müsste Mensch erst sein
RUSALKAmit einer Menschenseele,
RUSALKAso lieb als ich ihn hab',
RUSALKAwie ich ihn möcht' umfangen,
RUSALKAnehm' er mich in den Arm
RUSALKAund stille mein Verlangen!
WASSERMANNWehe, Tochter, mir wird's Herze schwer, Nacht für Nacht
WASSERMANNwerden deine Schwestern dich beweinen! -
WASSERMANNHelfen kann dir keine Macht.
WASSERMANNMenschenliebe trennt dich von den Deinen!
RUSALKAWassermann, so hör' mich doch,
RUSALKAer muss mich erst sehen -
RUSALKArate mir, ich frag' dich,
RUSALKAwie kann das geschehen?
WASSERMANNWehe dir, dass dich Verblendung schlug,
WASSERMANNverloren, verkauft an Menschentrug!
WASSERMANNNutzlos wär's locken dich auf den Grund -
WASSERMANNruf' die Hexe zu finst'rem Bund,
WASSERMANNwehe dir, Rusalka, wehe!
verschwindend
WASSERMANNWehe! Wehe! Wehe!
Verschwindet unter dem Wasser
RUSALKASilberner Mond du am Himmelszelt,
RUSALKAstrahlst auf uns nieder voll Liebe.
RUSALKAStill schwebst du über Wald und Feld,
RUSALKAblickst auf der Menschheit Getriebe.
RUSALKAOh Mond, verweile, bleibe,
RUSALKAsage mir doch, wo mein Schatz weile.
RUSALKASage ihm, Wandrer im Himmelsraum,
RUSALKAich würde seiner gedenken: mög' er,
RUSALKAverzaubert vom Morgentraum,
RUSALKAseine Gedanken mir schenken.
RUSALKAO leucht ihm, wo er auch sei,
RUSALKAleucht ihm hell, sag ihm, dass ich ihn liebe.
RUSALKASieht der Mensch mich im Traumgesicht,
RUSALKAwach' er auf, meiner gedenkend.
RUSALKAO Mond, entfliehe nicht, entfliehe nicht!
Der Mond verlischt
RUSALKAWie es mich schauert, schauert!
Ruft wehmütig
RUSALKAJezibaba, Jezibaba!
im Wasser
WASSERMANNWehe dir, Rusalka, wehe!
WASSERMANNWehe! Wehe! Wehe!
dringend
RUSALKAJezibaba!
tritt aus der Hütte und sieht sich nach allen Seiten um
HEXEWeinen, Klagen, Jammerlaute,
HEXEei, wer stört hier eh's noch graute?
RUSALKAJezibaba, hilf mir bitte,
RUSALKAlöse mich aus Nixen Mitte!
HEXEEtwas spür' ich, etwas merk' ich -
HEXEWer ruft mich? Komm zeig dich und sprich!
RUSALKARusalka, die Nixe klaget.
RUSALKADich um Rat und Hilfe fraget!
HEXEEine Nixe? Zeig' dich schnelle,
HEXEtauch hervor nur aus der Welle!
RUSALKAKann nicht hervor, Wasserwogen
RUSALKAhalten mich hinabgezogen!
HEXEReiss dich los und hurtig schnelle
HEXEeil' zu meiner Hütte Schwelle!
HEXELass sie, Woge, frei sich rühren.
HEXEFüsschen festen Boden spüren!
Rusalka springt herab ans Ufer und wankt auf die Hexe zu mit schweren, ungewohnten Schritten
HEXEStützet sie, Füsschen fein. Traget sie, Füsschen klein, -
HEXEsieh', nur sieh', die Füsschen klein, können schon gehen fein!
sinkt entkräftet der Hexe zu Füssen
RUSALKAJezibaba, hilf mir, hilf!
RUSALKADeiner ew'gen Weisheit Licht
RUSALKAtiefster Geheimnisse Dunkel bricht,
RUSALKAder Menschen Zukunft siehst du im Traum,
RUSALKAzählst die Gestirn im Weltenraum,
RUSALKAder Erde Gifte, die Kraft des Mondesscheins
RUSALKAbraust du zum Heiltrank, und bannst der Krankheit Keim.
RUSALKAWeisst zu verbinden, weisst zu zerstören,
RUSALKAweisst zu besänftigen, weisst zu betören.
RUSALKAMenschen in Geisterleib, Geister in Menschgestalt
RUSALKAwandelt im Augenblick deiner Macht Allgewalt,
RUSALKAschreckst wohl die Nixlein klein nächtlicher Welle,
RUSALKAnützest der Kräuter Kraft zum Menschenheile,
RUSALKAfür uns wie für die Menschen dort in der Wunderwelt
RUSALKArätselhaft bist du, niemandem gleichgestellt,
RUSALKAewiges Leben ward dir zu Teil -
RUSALKAO Zauberweib, hilf mir zum Heil!
HEXEMir bekannt, wohlbekannt,
HEXEd'rum kommt man zu mir gerannt!
HEXEHöre doch, hör' mich wohl,
HEXEwenn dein Glück ich machen soll:
HEXEPerlen fein, Schönheit dein,
HEXEhelf ich dir, sag' was wird mein?
RUSALKAWas ich hab', sei dein,
RUSALKAaber lass ein Mensch mich sein!
HEXEWeiter nichts? Gar nichts mehr?
HEXEDarum kamst du zu mir her?
HEXELangweilt dich dein Wasserleben?
HEXEMenschenart willst du erstreben?
HEXELiebeleien, Tändeleien,
HEXEsüssen Kosens Narreteien? -
HEXEMir bekannt, wohlbekannt,
HEXEd'rum kommt man zu mir gerannt!
RUSALKADass mein Glück ich nicht verfehle -
RUSALKAgib mir Menschenkörper, Menschenseele!
HEXEWohl es sei,
HEXETeufel steh' mir bei!
HEXEDoch, du gibst mir, holde Maid,
HEXEdein durchsichtig Nixenkleid! ,
HEXEUnd erfüllt sich nicht dein Wunsch
HEXEnach Menschenglück
HEXEkehrst du unter Schmerz und Tränen
HEXEin die Tiefen hier zurück!
HEXEWenn sie dich verrät, die du erstrebst, die Wonne,
HEXEmusst du fort von Erden, fort von Licht und Sonne!
HEXEEh' du sie erreichst, leiden wirst du schwer,
HEXEdu darfst nicht reden, hast keine Sprache mehr!
HEXEWillst stumm sein, sag,
HEXEstumm für den, den du liebst so sehr?
RUSALKAWenn seine Seele die meine liebt,
RUSALKAträgt sich's leicht, dass es keine Worte gibt!
HEXEDein ist er, dein,
HEXEdoch merk' dir fein:
HEXEWenn in Wassermanns Reich dich heimtreibt die bittere Not,
HEXEist das zugleich auch deines Liebsten Tod!
HEXEWird er durch Zaubereien dein,
HEXEmuss er zugleich mit dir verloren sein!
RUSALKANimmt am Zauber unsre Seele Schaden:
RUSALKAkeine Liebe möge uns begnaden!
HEXEAlso komm, komm geschwind,
HEXEfoIg' ins Hüttchen mir, mein Kind!
HEXEFeine Säfte will ich brauen,
HEXENixchen soll sie wohl verdauen.
HEXESchweigsam sei dann, sprich kein Wort,
HEXEabra, cabra, fort!
Sie treten in die Hütte ein, im Fenster erglüht ein roter Schein. Ein Strom von Funken schlägt zum Kamin heraus. Im Kessel hört man es zischen. Die Elfen hören das Geräusch, laufen aus dem Wald hervor und gucken ängstlich durch das Fenster in die Hütte hinein.
in der Hütte beim Herde zaubernd
HEXEAbra, cabra, fort,
HEXEsieh' den weissen Nebel dort!
HEXEDrachenbluts ein Tropfen,
HEXEHerzen, die noch klopfen,
HEXETröpflein Taubengalle
HEXEgut in jedem Falle!
HEXESpring, mein Kater, spring herzu,
HEXErühr' die Brühe um im Nu!
HEXEAbra, cabra, fort,
HEXEfürcht' dich nicht an diesem Ort!
HEXEDies ist deine Mitgift,
HEXEtrink' und lerne leiden,
HEXEdenn die Zung' verstummt,
HEXEmusst dich so bescheiden!
HEXESpring, mein Kater, holla hein!
HEXEGiess den scharfen Trank ihr ein!
HEXEAbra, cabra, fort,
HEXESchweigsam sei dann, sprich kein Wort!
Das wilde Gezisch in der Hütte wird nach und nach schwächer. Die Feen verschwinden. Unterdes heitert sich der Himmel auf, von der Ferne hört man Waldhörnertöne. Über dem See erscheint die Morgenröte.
aus dem Walde hervorkommend den Bogen in der Hand
PRINZDas Jagen lasst nun, geht zurück aufs Schloss,
PRINZseltsamer Zauber narrt den Jägerblick,
PRINZsitzt er nicht schon im Herzen mir! -
PRINZGeht nur nach Haus, ich bleibe hier!
Die Jäger gehen ab, der Prinz lässt sich am Ufer des Sees nieder, dann, aufschauend, sieht er die vor ihm stehende Rusalka. Rusalka kommt aus der Hütte, barfuss, im aschgrauen Kleide eines armen Kindes. Ihr schönes goldiges Haar hängt aufgelöst lang herab. Sie ist stumm.
aufspringend
PRINZHoldester Traum du, süss und mild,
PRINZbist du ein Mensch, bist ein Märchen?
PRINZKamst du ein seltenes Wild zu hegen,
PRINZdas bald wär' meinem Pfeil erlegen?
PRINZSuchtest du meine Nähe,
PRINZSchwesterlein weisser Rehe?
PRINZOder willst selbst du, so süss und rein,
PRINZköstliche Beute des Jägers sein?
Rusalka streckt ihm die Hände stumm entgegen, sie kann nicht sprechen
PRINZSchliesst ein Schwur die Lippen dir,
PRINZoder ist stumm gar dein Mund?
PRINZTut erst im zartesten Liebeskuss
PRINZmir deine Seele sich kund!
PRINZWas mich mit Zauberkraft wundersam angerührt,
PRINZdurch Gebirg und Tal lockend hierher geführt,
PRINZes ist jetzt offenbar und stimmt den Sinn mir mild,
PRINZseh' ich dich vor mir steh'n, holdestes Zauberbild!
PRINZWas dich bewegt im Herzensgrund,
PRINZholde Erscheinung, wenn du gut mir bist,
PRINZso gib es durch ein Zeichen kund!
Rusalka fällt in seine Arme
unter dem Wasser
NIXENSchwestern, eine fehlt in uns'ren Reih'n!
Rusalka erschrickt, rafft sich auf und lauscht dem Gesange
NIXENSchwesterlein, wo magst du sein?
Rusalka zittert vor Angst
unter dem Wasser
WASSERMANNWeit von hier, für uns verloren!
NIXENSchwesterlein, wo bist du, Schwesterlein?
Rusalka in höchster Angst schmiegt sich in die Arme des Prinzen
PRINZDu bist ein Traumbild, das entschwindet,
PRINZwie vor der Nacht entflieht das Licht, -
PRINZallein so lang der Zauber uns bindet,
PRINZdu, schönes Märchen, schwinde nicht!
PRINZDie Jagd ist aus - ich halte warm
PRINZMein weisses Reh beglückt im Arm!
PRINZMein Märchen du, bleib stets mir nahe,
PRINZdu holder Traum, komm, folge mir!
Der Prinz führt Rusalka auf sein Schloss
SYSTEMZWEITER AUFZUG
Schlosspark. Im Hintergrunde rechts Säulengang und Festsaal. Im Vordergrunde links unter alten Bäumen ein Weiher. Es beginnt zu dämmern, später wird es Nacht.
kommt mit dem Küchenjungen
HEGERHör' doch, hör' mich, liebes Bübchen,
HEGERsage schnelle mir ins Ohr!
HEGERIn der Küche, in den Sälen,
HEGERwas ist das für ein Rumor?
HEGERSchall ist's, wie von Trompeten,
HEGERda verlässt mich der Humor!
HEGERKochen, braten, schmoren, sieden,
HEGERsage, Bub', was geht hier vor?
KÜCHENJUNGEWerdet's schon erleben,
KÜCHENJUNGEhier wird's bald was geben!
KÜCHENJUNGEBis zur Nacht vom frühen Morgen,
KÜCHENJUNGEheisst es um das Fest sich sorgen.
KÜCHENJUNGEHörtest du nicht, sahest du nicht,
KÜCHENJUNGEwas sich Schlimmes hat ereignet?
KÜCHENJUNGETief im Walde fand der Prinz ein Hexenweib
KÜCHENJUNGEund jetzt, stell' dir das vor, nimmt er sie zur Frau!
KÜCHENJUNGEAus dem Wald, voll Unbedacht,
KÜCHENJUNGEhat er sie hierher gebracht.
KÜCHENJUNGENiemandem ist sie bekannt,
KÜCHENJUNGEahnt man auch, wo er sie fand!
KÜCHENJUNGEStumm ist sie wie Fische,
KÜCHENJUNGEsitzt ganz bleich bei Tische,
KÜCHENJUNGEgeht umher als wie im Traum -
KÜCHENJUNGEnein, so ein Weib erwählt' ich kaum!
HEGERAlso ist's doch wahr und richtig,
HEGERwas man spricht und plaudert?
HEGERDas erschreckt mich tüchtig!
HEGERUnser guter, junger Pinz verzaubert!
HEGERMich lehrt die Erfahrung
HEGERso was ist nicht sauber,
HEGERhinter dieser Neigung
HEGERsteckt gewiss ein Zauber!
HEGERSchütz' uns Gottes Gnaden!
HEGERAuch in uns're Wälder
HEGERMög' sich nachts nicht wagen,
HEGERwer kein Dämon selber.
HEGERSoll nicht dein Gewissen leiden,
HEGERsollst den Hexenwohnort meiden,
HEGERWassermann im Teiche lauert,
HEGERdu verschwindest unbetrauert.
HEGERSiehst du gar die Elfenweibchen
HEGERohne Hemdlein, ohne Kleidchen,
HEGERpackt dich gleich der Liebe Gier -
HEGERGott im Himmel helfe dir!
ängstlich
KÜCHENJUNGEOheim! Ach mich gruselt's!
HEGERWirklich, 's ist kein Wunder, nein,
HEGERGott soll allen deinen
HEGERSünden gnädig sein!
KÜCHENJUNGEDer Prinz, sonst so liebenswert,
KÜCHENJUNGEfurchtbar ist sein Sinn verkehrt!
KÜCHENJUNGEWürdest ihn wohl kaum erkennen,
KÜCHENJUNGEgeht dir wie im Traum umher,
KÜCHENJUNGEOpferkerzen lässt schon brennen
KÜCHENJUNGEseine Amme sorgenschwer.
KÜCHENJUNGEDer Herr Pfarrer hat's vemommen,
KÜCHENJUNGEwarnen ist er gleich gekommen,
KÜCHENJUNGEdoch der Prinz, der sagt nein,
KÜCHENJUNGEhält sie fest, sein Weib zu sein.
Läuft nach der anderen Seite davon.
Der Prinz erscheint mit Rusalka, die prächtig gekleidet, aber immer noch traurig und bleich ist.
PRINZSeit Tagen weilest du schon hier,
PRINZscheinst mir ein Traum, ein Märchen wohl,
PRINZich schaue tief ins Auge dir,
PRINZdoch ein Geheimnis bleibst du mir!
PRINZWarum lässt der Liebe Zaubermacht
PRINZdein Herz für mich entbrennen?
PRINZWillst du erst zur Hochzeitsnacht,
PRINZdass du mich liebst, bekennen?
PRINZStets bleibst du kühl, mein süsses Herz,
PRINZund bist nicht zu erwärmen,
PRINZdu zeigst mir nicht, ob Lust und Scherz,
PRINZdich rührt in meinen Armen.
PRINZVergebens dräng ich, dass die Lippe spricht.
PRINZBin ich verzaubert, du verspürst es nicht!
PRINZWärst du auch kälter noch wie Eis und Stein,
PRINZmein musst du werden, mein allein!
Bei den letzten Worten kommt sie aus dem Hintergrunde, und mit bösem Hasse betrachtet sie den Prinzen.
FÜRSTINNein, mich treibt nicht Liebe,
FÜRSTINnur der Hass treibt mich an,
FÜRSTINdas fremde Weib zu trennen von dern Mann,
FÜRSTINund wenn der junge Tor sie dennoch freit,
FÜRSTINsei er verflucht in Ewigkeit!
Die Fürstin kommt herunter
FÜRSTINErinnert sich der Prinz auch noch daran,
FÜRSTINdass Wirt er sei, und nicht nur Freiersmann?
FÜRSTINVerführerisch.
FÜRSTINSagt, wollt an Eurem Glück ihr ganz vergeh'n,
FÜRSTINsoll Euer Gast hier ganz verlassen steh'n?
Sie tritt zwischen den Prinzen und Rusalka
erbebt, sobald er die Fürstin erblickt
PRINZAch, Ihr habt recht mich zu tadeln,
PRINZdass er des Gastes Recht so wenig achtet,
PRINZdenn jeden Mann kann's doch nur adeln,
PRINZwenn er Euch zu dienen trachtet.
spöttisch Rusalka ansehend
FÜRSTINUnd Eure Liebste, teuer Eurem Herzen,
FÜRSTINschweigt sie auch zu solchen gar galanten Scherzen?
Rusalka blickt schmerzlich erregt nach der Fürstin
bissig
FÜRSTINBedarf es bei ihr gar der Worte nicht,
FÜRSTINda sie mit Euch ja nur durch Blicke spricht?
verlegen
PRINZUnd doch vergass ihr Blick es, mich zu mahnen,
PRINZdass Euer Wirt sein Amt sehr schlecht geübt.
PRINZErlaubt mir, meinen Fehler zu sühnen,
PRINZdamit er nicht die alte Freundschaft trübt.
Reicht der Fürstin den Arm. Rusalka tritt hervor zum Prinzen und fasst ihn krampfhaft bei der Hand
PRINZWas soll die Angst, dies Zittern und dies Beben?
PRINZGeh eilig in das Schloss und schmücke dich zum Fest!
Er führt die Fürstin weg
im Abgehen zu Rusalka
FÜRSTINOh, macht Euch schön für ihn im reichsten Kleid:
FÜRSTINmir gilt die Ehre, Euch doch seine Liebe!
Rusalka blickt den beiden schmerzerstarrt nach. Sie will nachstürzen, um den Prinzen zurückzuhalten, geht dann aber traurig und gebrochen durch den Säulengang ab. Indessen wird es immer dunkler und Dämmerung bricht herein. Der Mond geht auf. Lichter flammen auf. Im Hintergrund festliche Bewegung, die Gäste versammeln sich und bilden Gruppen. Später Gesang und Tanz.
SYSTEMFestliche Musik
hebt sich aus dem Teiche und betrachtet das freudige Treiben im Festsaal
WASSERMANNWehe dir, Rusalka, wehe!
WASSERMANNWarum. gabst du dich Menschen hin?
WASSERMANNLässt dem Menschen du dein Herz,
WASSERMANNflieht dich für immer Lust und Scherz!
WASSERMANNWärst du ein Mensch auch tausendmal,
WASSERMANNNixenblut bleibt dir allzumal,
WASSERMANNliebt dich ein Mensch auch noch so sehr,
WASSERMANNfesthalten kannst du ihn doch nimmermehr!
WASSERMANNWehe dir, Rusalka, wehe!
WASSERMANNMenschenart wird dir zum Fluch!
WASSERMANNTraurig und still ist der See,
WASSERMANNsehnt sich nach deiner Umarmung!
WASSERMANNDoch kehrst du einst zur Flut zurück
WASSERMANNhast du verscherzt dein Nixenglück,
WASSERMANNkehrst erdenmüd' du einmal heim,
WASSERMANNwirst du ein todbringend Irrlicht dann sein!
WASSERMANNWehe dir, Rusalka, wehe,
WASSERMANNdich stürzt in Unheil Menschenart!
in der Loggia und in dem Garten
CHORBlümelein weiss am Wegesrand
CHORblühten wohl still bescheiden,
CHORBursche ritt froh im Sonnenbrand,
CHORritt ja zu Hochzeitsfreuden.
CHORSäume nicht, Knabe, eil' zur Braut,
CHOReile zum süssen Kosen,
CHOReh' noch die Nacht herniedertaut,
CHORblühen dir rote Rosen.
CHORBlümelein weiss, sie welkten sacht
CHORunter dem Kuss der Sonne,
CHORwährend der roten Rosen Pracht
CHORschmückte das Lager der Wonne.
Der Prinz erscheint hie und da während des Festes und macht der Fürstin den Hof, ohne Rusalka zu beachten
WASSERMANNWehe dir, Rusalka, wehe!
WASSERMANNDich stürzt in Unheil Menschenart!
WASSERMANNWehe! Wehe!
WASSERMANNTräumend im Walde ruht der See,
WASSERMANNstumm wird er dich umkosen.
Da stürzt Rusalka aus dem Festsaal in den Park heraus und wendet sich verzweifelt dem Teich zu
überrascht
WASSERMANNRusalka, kennst du mich?
der Sprache wiederum mächtig, schreit plötzlich heftig auf
RUSALKAVäterchen, Väterchen, wehe!
WASSERMANNSo kam ich denn her auf euer Schloss,
WASSERMANNund finde dich nur in Tränen?
RUSALKAHilf mir doch, hilf mir doch, sag ein Wort,
RUSALKATodesangst hat mich umfangen!
RUSALKAWehe, ach, warum. ging ich von euch fort,
RUSALKAweh' meinem Erdenverlangen!
RUSALKAWehe! Wehe!
RUSALKAMenschenschönheit liebt er sehr,
RUSALKAwar ich denn so vermessen?
RUSALKA- Er kennt mich nimmer, nimmermehr,
RUSALKARusalka ist vergessen!
WASSERMANNHat dich verstossen, der dich geliebt?
WASSERMANNFinde selbst, was dir Lind'rung schafft,
WASSERMANNsuche Trost in deiner eignen Kraft!
RUSALKAVergebens, vergebens, vergeblich der Schmerz,
RUSALKAach nimmer winkt mir Tröstung lind,
RUSALKAwas hilft mir Schönheit, Anmut, Herz,
RUSALKAbin ich nur halb ein Menschenkind!
RUSALKAEr kennt mich nimmer, nimmermehr,
RUSALKARusalka ist vergessen!
RUSALKAIhr loh'n im Auge wilde Gluten,
RUSALKAdas Erdenfeuer heiss entbrannt,
RUSALKAich kam aus kühlen Fluten
RUSALKAhab' niemals Erdenglut gekannt!
RUSALKAVon euch verstossen, ewig von ihm verbannt,
RUSALKAjeglichem Sein und Leben abgewandt
RUSALKANicht Frau, nicht Nixe, bittere Not,
RUSALKAich kann nicht leben, noch bin ich tot!
Der Prinz tritt mit der Fürstin aus dem Festsaal in den Park
RUSALKASiehst du, da sind sie! Wie vertraut -
RUSALKAVäterchen, Väterchen! Steh' mir bei!
zum Prinzen
FÜRSTINEuch glüht im Aug' ein heimlich' Feuer,
FÜRSTINund süsse Worte schlürf' ich ein,
FÜRSTINIhr sagt, ich sei Euch lieb und teuer -
FÜRSTINo Trauter, sprecht, wie kann das sein?
FÜRSTINWohin floh Eure bleiche Braut,
FÜRSTINdie namenlos hat Euch sich anvertraut?
FÜRSTINEntfloh sie, um nur nicht zu schau'n,
FÜRSTINwie warm Ihr huldigt and'ren Frau'n?
PRINZWo sie ist? Das weiss Gott allein!
PRINZDoch lass von jenem Weib uns schweigen.
PRINZWill ohne sie jetzt glücklich sein,
PRINZo Zauberin, sei du mein Eigen!
PRINZEin Rätsel ist mir jetzt die Macht,
PRINZdie ihr über mich verliehen,
PRINZdie Glut will ich, die Ihr entfacht,
PRINZden bleichen Mondstrahl lasst mich fliehen!
FÜRSTINBis meine Glut Euch wild versengt,
FÜRSTINund ich die Sinne Euch entzückt,
FÜRSTINob Ihr dann nicht wieder drängt
FÜRSTINzu jener Schönen, die Euch berückt?
FÜRSTINBis Euch umarmen zarte Glieder,
FÜRSTINder stummen Schönheit Kühle fühlt Ihr wieder -
FÜRSTINkann das entfesseln Euer Blut?
FÜRSTINO schade, schade um die Glut!
leidenschaftlich
PRINZUnd sollt' dem Paradies,
PRINZdem ew'gen ich entsagen -
PRINZfür dich, o du süsse Frau,
PRINZwollt' alles ich ertragen!
PRINZJetzt, jetzt erst fühle ich es ganz,
PRINZwonach mein Herz geschmachtet,
PRINZals es in wilder Glut
PRINZnach Nixenliebe getrachtet!
FÜRSTINO sag' nichts mehr, ich seh' es wohl,
FÜRSTINdass meinen Sinn du willst betören -
FÜRSTINdu weisst nicht, ob dein Herz,
FÜRSTINsoll jener oder mir gehören.
umarmt die Fürstin
PRINZWas blieb von der Verwirrung,
PRINZdie sie in mir entfacht?
PRINZZu End ist die Verwirrung,
PRINZwenn deine Gunst mir lacht!
Rusalka verlässt plötzlich ihr Versteck und stürzt verzweifelt dem Prinzen in die Arme
entsetzt
PRINZEiskalt und schaurig weht's von dir,
PRINZdu kalte Schönheit, fort von mir!
PRINZStösst sie von sich
erscheint in voller Mondbeleuchtung über dem Wasser und ruft mit geisterhafter Stimme
WASSERMANNFlieh nur in and're Arme, Wicht!
WASSERMANNIhrer Umarmung entgehst du nicht!
WASSERMANNEr ergreift Rusalka und zieht sie mit sich in die Tiefe
sinnenverwirrt und in Todesangst
PRINZGrausen erfasst mich schauerlich!
PRINZRette mich, rette mich, rette mich!
Stürzt der Fürstin zu Füssen
mit wildem Auflachen
FÜRSTINTief in der Hölle dunkelste Nacht
FÜRSTINdeiner Erwählten, folge nun nach!
Geht stolz ab
SYSTEMDRITTER AUFZUG
Wiesengrund am Ufer des Sees, wie im ersten Akt. Es geht auf den Abend zu und der Himmel umwölkt sich, später flammt das Abendrot auf, schliesslich heitere Mondnacht. Rusalka sitzt auf der Weide wie zu Beginn des ersten Aktes, doch ist sie ganz farblos und bleich, ihr Haar fahl, die Augen erloschen.
RUSALKAFühllose Flut ohne Mitleid,
RUSALKAzieh mich in deinen Schoss hinein.
RUSALKAKalte Wellen, eilt heran
RUSALKAmein Grab zu sein!
RUSALKANirgends daheim, grausam verbannt
RUSALKAaus der Schwestern frohen Reih'n,
RUSALKAder der Liebe Glücksstern entschwand,
RUSALKAewig soll ich verdammt nun sein.
RUSALKAWas kann ich tun? Stets nur weinen,
RUSALKAda er mich kalt von sich stiess.
RUSALKANirgends Heimat, da das Wasser wie
RUSALKAdas Land mich von sich wies.
RUSALKASchwanden hin die sanften Nächte
RUSALKAstiller Träume Widerschein.
RUSALKAKalte Wellen, zieht mich hinab,
RUSALKAzögert nicht, mein Grab zu sein!
kommt aus der Hütte
HEXEEi, ei! Mein Nixlein schon zurück?
HEXENun, nun, das war ein kurzes Glück!
HEXEWie bleich, ei, sind die Wängelein,
HEXEbist wieder traurig und ganz allein?
HEXESo schmeckten nicht die Küsschen fein,
HEXEdie Lieb' gar brachte Qual dir und Pein?
RUSALKAAch Jezibaba, sieh mein Elend an:
RUSALKAverloren ist alles, es flucht mir jedermann!
HEXEDa der Liebste treulos, kalt verlassen dich -
HEXEist die alte Hexe gut, zu retten dich?
HEXENach dem GIück der Menschen, nach der Erdenglut
HEXEMöcht'st du zu den Schwestem wieder in die Flut?
HEXENun ich weiss ein Mittel, geb' dir guten Rat -
HEXEsicherlich gelingt es, der Teufel hilft zur Tat!
HEXEMenschenblut nur kann dir helfen,
HEXEdich vorn Schmerz befrei'n,
HEXEselbst töten musst du deinen Liebsten,
HEXEdann wirst frei du sein!
HEXEWieder froh, wieder frei wirst du wie ehe,
HEXEund vergisst, wie dich verriet die Welt -
HEXEdessen Blut nun fliessen muss,
HEXEdamit dir Recht geschieht.
HEXEAlle Qual wird dich verlassen,
HEXEwieder glücklich wirst du sein,
HEXEdoch der Liebste muss sein Leben
HEXElassen, du musst mutig sein!
entsetzt
RUSALKAJezibaba, wehe, welche Tat!
reicht ihr ein Messer, welches sie im Busentuch verborgen hat
HEXEDas Messer nimm, fass Mut und folg' dem Rat!
wirft das Messer in den See
RUSALKAO welches Grauen! Lass mich, geh!
RUSALKAWill ewig leiden Erdenqual, Menschenweh,
RUSALKAmein Herzensleid will tragen ewig ich
RUSALKAund HöIlenqualen fürchterlich,
RUSALKAgern trag ich Qual und Pein -
RUSALKAnur er, er soll gerettet sein,
RUSALKAohne Mass soll er glücklich sein!
lacht höhnisch auf
HEXEUnd du wolltest sein ein Menschenkind
HEXEmit deinem Herzchen sanft und lind?
HEXEArmselige Nixe, wie bist du dumm!
HEXEAngstvoll und hilflos schaust du herum!
HEXEGeh, geh, geh, leide nur in Ewigkeit,
HEXEvergeh' in Sehnsucht um dein Menschenleid!
Hinkt in die Hütte ab
RUSALKAUnendlich Herzeleid, ewige Einsamkeit!
RUSALKAheimatlos, glückberaubt, schwind ich hin,
RUSALKAMein Liebster, wehe, weh dir,
RUSALKAewig fern von mir.
Sie versinkt in den See
unter dem Wasser
DIE NIXENDu entflohest zur Menschenwelt,
DIE NIXENliessest uns're frohen Reih'n -
DIE NIXENdich ein böser Zauber hält,
DIE NIXENkannst nicht unser sein!
DIE NIXENAn der Gruft verfluchtem Ort
DIE NIXENsuch' dir and're Schwestem dort,
DIE NIXENin der Nixen frohen Reih'n
DIE NIXENkehrst du nimmer ein!
Stille. Im Westen röten sich die Wolken
HEGERaus dem Hintergrunde mit dem Küchenjungen
HEGERWie, du zitterst? Schnicken, Schnurren,
HEGERwichtigere Gäste kennt sie!
HEGERGeh', klopf an, meld' ohne Murren,
HEGERwas dir aufgetragen heute:
HEGERsag', die AIte möge kommen,
HEGERda des Prinzen Sinn benommen,
HEGERda ein spukhaft Zauberwesen
HEGERjüngst bei uns im Schloss geweilt,
HEGERund wir bitten, dass sie hilft,
HEGERdass sie uns'ren Prinzen heilt!
sich wehrend
KÜCHENJUNGEOheim, ach, ich kann nicht,
KÜCHENJUNGElahm ist mir das Bein -
KÜCHENJUNGEach, ihr guten Götter,
KÜCHENJUNGEgeh' doch selbst hinein!
KÜCHENJUNGEAch, mich packt das Fieber,
KÜCHENJUNGEs wird ganz übel mir -
KÜCHENJUNGEOheim, mir wär's doch lieber,
KÜCHENJUNGEdass sie's hört von dir.
HEGERHimmel, willst du schweigen?
HEGERWozu solch' Geflenn!
HEGERDoch ich will dir zeigen,
HEGERdass ich Furcht nicht kenn'!
HEGERHolla, holla! Jezibaba!
kommt aus der Hütte
HEXENun, wer lärmt hier? Nun, wer schreit da?
Der Küchenjunge versteckt sich hinter dem Heger
HEGERAns dem Schloss schickt man Botschaft dir,
HEGERdass mit klugem Rat du helfest hier!
HEXEUnd zum Lohne für mein kluges Raten?
HEXESchickt man mir hier den kleinen Teufelsbraten?
HEXEFüttem muss ich ihn erst rund und dick,
HEXEeh' er brät, der dürre Galgenstrick!
Greift nach dem Küchenjungen
wehrt sich verzweifelt
KÜCHENJUNGEHexe fürchterlich! Lass mich, lass mich!
KÜCHENJUNGEOheim, braten will sie mich!
kichernd
HEXEHa, ha, ha, ha,
HEXEei, du dummes Bübchen,
HEXEmag'res Eselein,
HEXEwärst zum dünnsten Süppchen
HEXEviel zu schlecht und klein!
HEXEEhe ich dich brate,
HEXEwachse und gedeih'!
HEXEDoch jetzt lass mich hören,
HEXEwas die Botschaft sei!
ängstlich
KÜCHENJUNGEKrank ist unser Prinz an Seele und Leib,
KÜCHENJUNGEdenn es hat sein Herz verzaubert so ein teuflisch Weib!
KÜCHENJUNGEAls den Prinzen sie an sich gebannt,
KÜCHENJUNGEIst sie tückisch, heimlich ihm davon gerannt.
KÜCHENJUNGEHat mit Zauber unser ganzes Schloss berühret -
KÜCHENJUNGEward vom Teufel selbst zur Hölle sie entführet!
plötzlich aus dem See auftauchend
WASSERMANNVerdammt seid alle,
WASSERMANNverflucht ihr Menschenpack.
WASSERMANNSie fuhr zur Hölle? Sie hat verzaubert euch?
WASSERMANNVerlogene Heuchler, er selbst verriet sie,
WASSERMANNer stiess ins Unglück sie!
stürzt in höchster Angst davon
HEGERDer Wassermann! Der Wassermann!
hinter ihm her
KÜCHENJUNGEOheim! Oheim! Grosser Gott, Oheim!
mit schrecklicher Stimme
WASSERMANNIch schwör' euch Rache, so weit mein Arm nur reicht!
HEXEHa, ha, ha, ha! Ha, ha, ha, ha!
Sie humpelt in ihre Hütte ab. Indessen erlischt die Abendröte, es wird dunkel und bald geht der Mond auf Auf der Waldwiese sammeIn sich die Waldfeen
tanzend
ERSTE ELFEMein goldnes Haar ist mein,
ERSTE ELFEkleiner Käfer schmückt es nachts mit Demantschein,
ERSTE ELFEmeine weissen Händlein Iösen flink das Bändlein,
ERSTE ELFEund der Mond bestreut es fein mit Silberschein.
tanzend
ZWEITE ELFEMein Füsschen zart und klein,
ZWEITE ELFEspringet gar behende über Moos und Stein,
ZWEITE ELFEspringet durch die Aue, dass der Mond es schaue.
ZWEITE ELFETau gibt ihm die Strümpfchen und die Schühchen fein.
tanzend, mit den anderen zwei
DRITTE ELFEMein weisses Kôrperlein
DRITTE ELFEdreht sich so behende, nachts im frohen Reig'n,
DRITTE ELFEwohin ich auch gehe, mich im Tanze drehe,
DRITTE ELFEhüllt der Mond mit seinem Scheine mich sanft ein.
kommt aus dem Wald gelaufen, verwirrt
PRINZO mein weisses Rehlein!
PRINZWo bist du?
PRINZHimmel und Hölle, euch ruf ich an,
PRINZwas habt ihr meinem Lieb getan?
PRINZGottheit und Teufel beschwöre ich -
PRINZLiebste komm, ich bitte dich!
PRINZGeliebte, komm!
Der Mond kommt langsam aus den Wolken
erscheint im Mondlicht über dem See
RUSALKAKennst du mich, Liebster mein?
RUSALKADenkst du noch, Liebster, denkst du mein?
erhebt sich in höchstem Entsetzen
PRINZBist du ein Geist, so töte mich!
PRINZBist du ein Weib, so rette mich!
RUSALKATot nicht, noch lebend, nicht Frau, nicht Nixe,
RUSALKAirr' ich umher in Herzensnot.
RUSALKATräumte von Glück einst, wenn auch voll Bangen
RUSALKAweil solchem Glück Verderben droht -
RUSALKAeinst war dein Lieb' ich, durfte dich herzen,
RUSALKAjetzt bringt mein Kuss dir nur den Tod!
PRINZKann ohne dich nicht leben hier -
PRINZKannst du, Geliebte, vergeben mir?
RUSALKAWarum, warum musst ich dein Eigen sein,
RUSALKAder treulos rnich dann fortstiess?
RUSALKAJetzt bin ich nur ein bleicher Schein,
RUSALKAder dir deine Qual vermehrt!
RUSALKAMich macht zur Spukgestalt dein flatterhafter Sinn:
RUSALKAals Irrlicht zieh mit Allgewalt ich dich zum Abgrund hin!
RUSALKASag, warum du die Treue brachst,
RUSALKAmir, die dich innig liebte?
RUSALKADu suchtest Leidenschaft, die mir fremd,
RUSALKAUmarmung voll Blut, wenn jetzt dich mein Kuss berührt,
RUSALKAdann bist du verloren!
PRINZGib mir den Todeskuss!
PRINZGönn mir den letzten Gruss,
PRINZstoss mich nicht von dir,
PRINZIass mich bei dir sein!
RUSALKAAch! Alles warst du mir, du allein -
RUSALKAo warum musstest du treulos sein?
RUSALKADu mein Lieb, kennst du das Gebot,
RUSALKAküss' ich dir jetzt den Mund so rot,
RUSALKAdass du versinkst in Nacht und Tod!
PRINZAlles von dir soll willkommen sein.
PRINZKüss mich, und ewig bin ich dein.
PRINZGönn' mir den letzten Liebesgruss,
PRINZgib mir, mein Lieb, den Todeskuss!
RUSALKAJa, dein Wunsch soll erfüllt dir sein,
RUSALKAbringe es dir auch Todespein,
RUSALKAdich schliessen diese Arme ein!
PRINZDeine Umarmung macht von Schuld mich frei,
PRINZich sterbe glücklich, dass endlich Frieden sei!
WASSERMANNWas nützt es dir, dass er verdirbt,
WASSERMANNdass er in deinem Kusse stirbt!
WASSERMANNRusalka, du bist verloren! Wehe!
RUSALKAUm der Liebe willen, die uns beide eint,
RUSALKAum der Tränen, die wir zwei geweint,
RUSALKAglaube ich, dass Gott unser gedenkt,
RUSALKAund uns gnädig sein Erbarmen schenkt!
Rusalka taucht in den See