Der Morgenstern

E. Andrée

Stern der Liebe, Glanzgebilde,

Glühend, wie die Himmelsbraut

Wanderst durch die Lichtgefilde,

Kündend, daß der Morgen graut.

Freundlich kommst du angezogen,

Freundlich schwebst du himmelwärts,

Glitzernd durch des Äthers Wogen,

Strahlst du Hoffnung in das Herz.

Wie in schäumenden Pokalen

Traubenpurpur muthig schwellt,

So durchleuchten deine Strahlen

Die erwachte Frühlingswelt.

Wie im herrlichen Geschiebe

Sich des Goldes Pracht verschließt,

So erglänz'st du, Stern der Liebe,

Der den Morgen still begrüßt.

Und es treibt dich nach den Sternen

Hell im Dunkel zu erglüh'n.

Über Berge, über Fernen

Möcht' ich einmal mit dir ziehn.

Faß't mich, faß't mich heil'ge Strahlen,

Schlingt um mich das goldne Band,

Daß ich aus den Erdenqualen

Fliehe in ein glücklich Land.

Doch ich kann dich nicht erfassen,

Nicht erreichen, stehst so fern! -

Kann ich von der Sehnsucht lassen?

Darf ich's, heil'ger Himmelsstern?