Abendsehnsucht

E. Behm

Wenn der Abend sich senkt, flieh' ich die laute Stadt,

Und durchwandere stumm feuchtes Gefild' umher,

Voll die Seele von Sehnsucht

Und voll süßer Erinn'rung.

Safranfarbiger Schein rändert den Horizont

Und durchglüht das Gebüsch, welches den Hügel kränzt,

Wo die stöhnende Windmühl'

Ihren langsamen Flügel wälzt.

An die Schleusen gelehnt, schau ich den Weidengrund,

Frisch von perlendem Thau, und wie des duftenden

Reps gelbblühende Felder

Noch ein röthender Nachschein färbt.

Nur der Emmerling zirpt oben im Erlenstrauch;

Stille waltet umher, auf dem umbüschten Dorf,

Das der krähende Haushahn

Und aufwallender Rauch verräth.

Frischer dünstet der Thau; tiefere Dämmerung

Spannt den trübenden Flor über die Fernung hin.

Wo die Formen vernachten,

Weilt hinstarrend der lange Blick.

Länder dehnen sich dort hinter der Fläche Rand:

Aber trennende Nacht füllet den weiten Raum

Hin zu meinen Geliebten,

Und die Thräne der Sehnsucht rinnt.