Das stolze Mägdelein
E. Behm
Es war ein junges Mägdelein,
Das war so stolz, das war so fein --
"Mach' auf, du Allerschönste!
Mach' auf und lass' mich ein."
"Geh' du nur heim in guter Ruh'
Und schone deine Strümpf' und Schuh',
Zu mir herein kommt Keiner,
Mein Riegel, der bleibt zu."
Da sprach der Knab' in seinem Zorn:
"Wohl jede Ros' hat ihren Dorn;
Doch kommt der rechte Schnitter,
So ist sie doch verlorn."
Und horch! und horch! um Mitternacht
Da klopft es an ihr Fenster sacht;
Es klopft mit beinerm Finger,
Das Mägdlein ist erwacht.
Und draußen vor dem Fensterlein
Da klippt's und klappt's im Mondenschein.
"Du beinerner Geselle!
Dich lass ich nimmer ein."
Da grinst und lacht der dürre Fant,
Er schreitet mitten durch die Wand --:
"Mich hält nicht Schloß noch Riegel."
Er nimmt sie bei der Hand.
"Du Mägdelein von stolzer Art,
Daß du dein Kränzlein mir gespart,
Das ist recht schön, du Feine!
Ich lieb' die Blümlein zart."
Gutnacht, Gutnacht, o Mägdlein fein!
Schlaf' wohl, schlaf' wohl im Brautbett dein!
Es wird dir Keiner klopfen
An deinem Kämmerlein.