Der Wanderer
E. Fährmann
Weit in der Ferne wandr' ich allein,
Kann mich der trauten Heimath nicht freun;
Über Geklüfte geht meine Bahn,
Gründe voll Grausen gähnen mich an:
Doch es umschwebt mich überall mild
Meiner Geliebten zaubrisches Bild!
Ragend an Wolken führt mich mein Weg
Über der Ströme schwindelnden Steg,
Hoch auf der Gletscher eisigem Feld
Schau ich tief unten sonnig die Welt.
Hier auch umschwebt mich wonnig und mild
Meiner Geliebten zaubrisches Bild!
Tief in des Thales schaurige Schlucht,
Wie zu des Sees bewimpelter Bucht,
Hin durch der Wüste glühenden Sand
Hatt' ich die leichten Schritte gewandt:
Doch, wo ich weilte, umschwebte mich mild
Meiner Geliebten zaubrisches Bild!
Und auf des Oceans wogender Flut,
Wie in des Wetters verheerender Wuth,
Selbst in des Urwalds pfadlosem Raum,
Wie an des Himmels entferntestem Saum:
Überall seh' ich wonnig und mild
Meiner Geliebten zaubrisches Bild!
Mag ich nun tausend Meilen weit gehn,
Überall glaub' ich die Holde zu sehn,
Überall wähn' ich bei ihr zu sein,
Und sie begleitet mich Land aus und ein:
Denn es umschwebt mich überall mild
Meiner Geliebten zaubrisches Bild!
So will ich weiter und weiter denn ziehn,
Länder und Meere wallend durchfliehn,
Immer doch bleib' ich, wo ich auch sei,
Ihr und der Heimath hold und getreu:
Denn mich umschwebt ja so wonnig und mild
Meiner Geliebten zaubrisches Bild! --